Schwermetallgehalte im Fleisch von Haarwild (Hirsch, Reh, Wildschwein, Rentier)

Inge Eversberg (CVUA Sigmaringen), Dr. Joachim Kuntzer (CVUA Stuttgart), Dr. Manfred Möllers (CVUA Karlsruhe), Jürgen Glatz (CVUA Freiburg)

 

Wildfleisch gewinnt zunehmend an Verbraucherinteresse und gilt als qualitativ hochwertiges Produkt. In einem Projekt im Rahmen des bundesweiten Monitorings gingen die vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter in Baden-Württemberg der Frage der Schwermetallbelastung von Wildfleisch nach. Bei den 60 landesweit untersuchten Wildfleischproben (Hirsch, Reh, Wildschwein, Rentier) handelte es sich sowohl um Fleisch von freilebendem Wild als auch von Wild aus dem Gehege. Die Proben stammten überwiegend aus dem Handel und der Gastronomie.

 

Aktuelle rechtliche Situation

Grundlage zur Überprüfung von Höchstmengenüberschreitungen bei Schwermetallen in Fleisch von Rind, Schwein, Schaf und Pferd ist die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006. Für Wildfleisch sind dagegen momentan weder im EU-Recht noch im nationalen Recht Höchstmengen festgelegt. Die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 besitzt im Hinblick auf den Schwermetallgehalt von Wildfleisch daher nur orientierenden Charakter.

 

Tabelle

 

Blei

Der Mittelwert liegt mit 0,036 mg Blei/kg Frischgewicht deutlich unter dem zur Orientierung herangezogenen Höchstgehalt. Auch der im Jahr 2012 ermittelte höchste Bleigehalt von 1,09 mg/kg bei einer Rehfleischprobe ist als noch tolerierbar anzusehen. Dabei ist positiv zu vermerken, dass keine extrem hohen Bleigehalte (mehrere Hundert bis Tausend mg/kg) festgestellt wurden. Solche Bleigehalte können beispielsweise von einer Kontamination durch verstreute, sehr kleine Geschosspartikel oder nicht ausreichend entferntem Fleisch um den Einschusskanal herrühren. Derartige Fälle wurden im Jahresbericht 2011 des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) beschrieben.

Wildfleischprobe

 

Cadmium

Bei den untersuchten Proben liegt selbst der höchste gemessene Wert für Cadmium von 0,0057 mg/kg Frischgewicht unter der Höchstmenge für Fleisch von Rind, Schwein, Schaf und Geflügel.

 

Aluminium, Arsen, Quecksilber und Kupfer

Im Vergleich mit den typischen nahrungsbedingten Aufnahmemengen der anderen Metalle Aluminium, Arsen, Quecksilber und Kupfer sind die ermittelten Gehalte und damit die Aufnahme über Wildbret vernachlässigbar.

 

Für den Verbraucher ergibt sich ein positives Ergebnis

Der größte Teil der Proben war hinsichtlich der Schwermetallgehalte unauffällig. Bezüglich der ermittelten Bleigehalte besteht f ür Normalverzehrer, die im bundesdeutschen Durchschnitt ca. 500 g Wildbret (1 bis 2 Wildmahlzeiten) pro Jahr konsumieren, keine gesund-heitliche Relevanz. Für Vielverzehrer (mehr als eine Wildmahlzeit pro Woche, z.B. in Jägerhaushalten) kann ein gesundheitliches Risiko jedoch nicht ausgeschlossen werden.

 

Ausblick

Eine Reduzierung des Bleieintrags durch Munition könnte beispielsweise durch die Verbesserung der Ausbildung der Jäger hinsichtlich einer sachgerechten Entfernung des Schusskanals sowie durch die Verwendung bleifreier Munition bei der Jagd erfolgen . Daher kommt ab 01. April 2014 - dem Beginn des neuen Jagdjahres - im baden-württembergischen Staatswald nur noch bleifreie Munition zum Einsatz, wie der Pressemitteilung des MLR vom 25. April 2013 zu entnehmen ist . In allen übrigen Jagdflächen in Baden-Württemberg wird bleifreie Jagdmunition zum 01. April 2016 verbindlich eingeführt. Baden-Württemberg setzt durch diesen Entschluss nicht nur die Empfehlungen des Symposiums ‚Alle(s) Wild?‘ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) um, das Mitte März in Berlin stattgefunden hat. Gesichert wird auch die Qualität des hochwertigen Lebensmittels Wildfleisch aus heimischer Jagd.

 

Weitere Informationen

 

Bildernachweis:

CVUA Sigmaringen

 

 

Bericht erschienen am 28.05.2013 14:16:11