Zentrallabor für Erkrankungsproben am CVUA Stuttgart

Das CVUA Stuttgart untersucht zentral Lebensmittelproben im Zusammenhang mit Erkrankungsfällen aus ganz Baden-Württemberg

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Lebensmittelbedingte Erkrankungen kommen trotz Überwachung der strengen Hygiene-Vorschriften immer wieder vor. Die zur Untersuchung solcher Vorfälle entnommenen Lebensmittel – sogenannte Erkrankungsproben – werden für Baden-Württemberg zentral am CVUA Stuttgart mikrobiologisch und toxinanalytisch untersucht.

 

Schmuckelement.Das interdisziplinäre Team aus Tierärzten, Biologen und Lebensmittelchemikern untersucht jährlich neben 6000–7000 geplanten Lebensmittelproben weitere ca. 1000–1500 Proben, die im Verdacht stehen, eine lebensmittelbedingte Erkrankung verursacht zu haben. Die aktuellen Zusammenfassungen dazu finden sich in dem Managementbericht des CVUA Stuttgart.

 

Zur Untersuchung kommen hierbei nicht nur verdächtige Lebensmittel, auch Umgebungsproben (z.B. Tupfer von Arbeitsflächen) können wichtige Hinweise auf Kontaminations- und Infektionswege geben.

 

Um der besonderen Aufgabe, der Untersuchung von Lebensmittelproben im Erkrankungszusammenhang gerecht zu werden, bedarf es nicht nur des höchst flexiblen Einsatzes der Mitarbeiter (inkl. Wochenenddiensten), sondern auch eines erweiterten Methodenportfolios:
Schmuckelement.Neben den klassischen mikrobiologischen Methoden kommen am CVUA Stuttgart modernste molekularbiologische Verfahren (PCR, real-time-PCR) sowie physikalisch-chemische Messtechniken (z.B. Infrarotspektroskopie (FT-IR), MALDI-TOF Massenspektrometrie, LC-MS/MS) zum Einsatz. Die ständige Weiterentwicklung dieser speziellen Techniken ist hier ein besonderes Anliegen. Die konsequente Anwendung dieser erweiterten analytischen Möglichkeiten hilft beim erfolgreichen Nachweis vieler pathogener Bakterien, Viren und Toxine, gerade im Zusammenhang mit lebensmittelbedingten Erkrankungen.

 

Doch die Aufklärung von Erkrankungsfällen endet nicht beim Nachweis des Erregers oder Giftstoffes. Seit Jahren besteht deshalb eine intensive Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Überwachungspersonal der Städte und Landkreise sowie mit den Kollegen des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg und den zuständigen Einrichtungen des Bundes (Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Robert-Koch-Institut (RKI)).

 

Als erstes und bisher einziges Bundesland konnte Baden-Württemberg hierdurch schon 2015 einen gemeinsamen „Leitfaden zum Management lebensmittelassoziierter Infektionen“ erarbeiten und allen zuständigen Kooperationspartnern zur Verfügung stellen.

 

Schmuckelement.Denn nur durch die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lebensmitteüberwachung und Öffentlichem Gesundheitsdienst lassen sich Daten eines Erkrankungsgeschehens zuverlässig zusammenführen und Krankheitsausbrüche anhand bestimmter Keime epidemiologisch aufklären. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob der Erreger im Lebensmittel identisch ist, mit dem Erreger des erkrankten Patienten. Für diesen "Fingerabdruck-Vergleich" kommen spezielle, neue spektroskopische und molekularbiologische Verfahren zum Einsatz.

 

Herausragende Fälle werden am CVUA Stuttgart wissenschaftlich aufgearbeitet und veröffentlicht. Diese Erkenntnisse tragen somit langfristig zu einer verbesserter Hygiene und Überwachung bei der Verarbeitung von Lebensmitteln bei.

Die Bandbreite der erfolgreich aufgeklärten lebensmittelbedingten Ausbrüche ist an folgenden Beispielen sichtbar:

  • Länderübergeifender Botulismus-Ausbruch nach dem Verzehr von Trockenfisch (2016),
  • Lebensmittelvergiftungen durch Kontamination von Lebensmitteln mit dem Enterotoxin von Staphylococcus aureus (2013 und 2014),
  • Lebensmittelbedingte Ausbrüche mit emetischen (Erbrechen auslösenden) Bacillus cereus (2009 und 2011),
  • Rotavirus-Ausbruch in einem Mütter-Kind Sanatorium (2009),
  • Epidemiologie mehrerer Norovirus-Ausbrüche in Baden-Württemberg (2006).

 

Die Bündelung von Fachkompetenz und die vielfältigen analytischen Möglichkeiten an zentraler Stelle bieten damit die besten Voraussetzungen, lebensmittelbedingten Erkrankungen in Baden-Württemberg auf die Spur zu kommen.

 

Quellen

 

Weiterführende Links

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart.

 

Aktualisiert am: 20.04.2018

 

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Bericht erschienen am 30.07.2014 13:18:00