3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) in geräucherten Fleischwaren

Entstehung
Foto: Holzspäne, die zur Raucherzeugung verwendet werden.3-Chlor-1,2-propandiol (3-MCPD) entsteht bei der Verarbeitung von Lebensmitteln aus natürlichen Inhaltsstoffen. Dies ist zum Beispiel bei der Herstellung von Sojasoße oder hydrolysiertem Pflanzenprotein (HVP) der Fall. Bei der sauren Hydrolyse von Pflanzeneiweiß, die häufig mit Salzsäure durchgeführt wird, reagieren im pflanzlichen Ausgangsmaterial enthaltene Lipidreste mit Chloridionen zu 3-MCPD. Der Gehalt von 3-MCPD in Sojasoßen und hydrolysiertem Pflanzenprotein konnte in letzter Zeit durch technologische Maßnahmen entscheidend gesenkt werden.

Jedoch entstehen auch bei der Verarbeitung anderer Lebensmittel nicht unbeträchtliche Mengen an 3-MCPD, z.B. beim Backen von Brot oder beim Toasten. In diesem Zusammenhang wird auf Untersuchungsergebnisse des CVUA Stuttgart aus 2002/2003 verwiesen.

 

3-MCPD in Fleischwaren
Das CVUA Stuttgart konnte vor kurzem einen weiteren, bisher nicht bekannten Bildungsweg für 3-MCPD aufdecken. Im Rahmen einer Stufenkontrolle bei einem Fleischwarenhersteller und weiterführenden Versuchen im Labor, konnte gezeigt werden, dass beim Räuchern 3-MCPD entsteht: Pfefferknacker, die noch nicht geräuchert waren, waren frei von 3-MCPD. Dieselben Pfefferknacker, die mit Kaltrauch von ca. 28 °C geräuchert wurden, wiesen nach der Räucherung einen 3-MCPD Gehalt von 133 µg/kg auf. Die zur Herstellung dieser Pfefferknacker verwendeten Zutaten und Zusatzstoffe enthielten kein 3-MCPD (siehe Tabelle). Eine Probe "Wandabkratzung" aus der Räucherkammer war mit einem sehr hohen 3-MCPD Gehalt belastet. Die zur Räucherung verwendeten Holzspäne waren frei von chlororganischen Verbindungen, die evtl. eine Quelle für das gebildete 3-MCPD darstellen könnten und waren auch frei von 3-MCPD. Die Holzspäne wurden anschließend im Labor verschwelt, dabei zeigte sich, dass der aufgefangene Rauch große Mengen an 3-MCPD enthielt. Damit war klar: beim Räuchern entsteht 3-MCPD. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten auch darauf hin, dass der Bildungsweg für 3-MCPD bei der Verschwelung von Holz ein anderer ist, als z.B. in Sojasoßen und Backwaren.

Da 3-MCPD sehr gut wasserlöslich ist, bleibt es nicht an der Oberfläche, sondern es dringt schnell auch in die inneren Schichten des geräucherten Erzeugnisses ein. Durch Entfernen der Haut lässt sich also leider keine nennenswerte Reduktion der Kontamination mit 3-MCPD erreichen.

 

Probenbezeichnung µg 3-MCPD/kg Probe
Pfefferknacker, Kaliber 2 cm, ungeraucht n.n.
Pfefferknacker, Kaliber 2 cm, geraucht 133
Pfefferbeißergewürz n.n.
Lakewürzung n.n.
Schafsaitling (Wursthaut) n.n.
Nitritpökelsalz n.n.
Wandabkratzung aus der Rauchkammer 2455
Holzspäne n.n.
Rauchkondensat der im Labor verschwelten Holzspäne 5700

Tabelle: Proben aus der Stufenkontrolle eines handwerklichen Herstellerbetriebes

n.n.: nicht nachweisbar

Systematische Untersuchungen bei geräucherten Rohwürsten und Rohpökelwaren zeigen, dass 71% (n=34) der untersuchten Proben über dem für Sojasoße geltenden Höchstwert von 20 µg 3-MCPD/kg liegen. Den höchsten Gehalt an MCPD wies die oben aufgeführte Pfefferknacker mit 133 µg MCPD/kg Probe auf.

 

Abbildung: 3-MCPD-Gehalte in geräucherten Rohwürsten und ger. Schinken.

 

Flüssigraucharomen
Anstelle der Räucherung mit frisch entwickeltem Rauch können auch Flüssigraucharomen bei der Wurstherstellung verwendet werden. Da 3-MCPD gut wasserlöslich ist, war zu vermuten, dass es auch in Flüssigraucharomen vorhanden sein sollte. Die Untersuchungsergebnisse von sechs handelsüblichen Präparaten zeigten, dass 3-MCPD mit Gehalten von 200 bis 760 µg/kg auch in Flüssigraucharomen vorhanden ist. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass je nach Anwendungsdosierung nur ca. 0,5 bis 1,5% des Flüssigraucharomas auf die Wurst aufgesprüht wird und es so nur zu einer geringen Kontamination der behandelten Wurst mit 3-MCPD kommt. Dies konnte am Beispiel einer Paprikabratwurst auch praktisch gezeigt werden. So wies das verwendete Flüssigraucharoma 760 µg 3-MCPD/kg, die damit hergestellte Paprikabratwurst jedoch nur noch 9 µg 3-MCPD/kg auf. Da bisher nur wenige Untersuchungsergebnisse vorliegen, sind noch weitergehende Untersuchungen von Raucharomen notwendig. Vor allem sollte auch geprüft werden, ob es möglich ist durch technologische Maßnahmen den Gehalt an 3-MCPD zu reduzieren.

 

Gefährdungspotential beim Verzehr von mit 3-MCPD belasteten Lebensmitteln
Foto: Kontrollierte Raucherzeugung im Labor (Apparatur nach A. Maier).3-MCPD wirkt im Tierversuch in hohen Dosen cancerogen, daneben wurde in vitro (im Reagenzglas) Genotoxizität festgestellt. Diese konnte in neueren Toxikologiestudien jedoch in vivo (im lebenden Organismus) nicht bestätigt werden. Basierend auf der früheren Einschätzung des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses der Europäischen Kommission (SCF), nach der 3-MCPD-Rückstände in Lebensmitteln nicht nachweisbar sein sollen, wurde in der Verordnung (EG) 466/2001 ein Höchstgehalt von 20 µg/kg für Sojasoße und hydrolysiertes Pflanzenprotein (HVP) festgelegt. Aufgrund neuerer Forschungsergebnisse wird vom SCF inzwischen eine tolerierbare tägliche Aufnahme = Tolerable Daily Intake (TDI) an 3-MCPD von maximal 2 µg pro kg Körpergewicht empfohlen. Bei einer 60 kg schweren Person beträgt der TDI folglich 120 µg, dies entspräche etwa einem Kilogramm einer relativ stark kontaminierten geräucherten Wurst. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass zusätzliches 3-MCPD gleichzeitig auch noch über andere Lebensmittel (Brot mit dunkler Kruste, stark getoastetes Brot etc.) aufgenommen wird.

 

Symbol für den Verbrauchertipp. Verbrauchertipp
Im Rahmen der Laborversuche konnte gezeigt werden, dass beim Verschwelen handelsüblicher Grillkohle kein 3-MCPD entsteht. Erst nachdem der Grillkohle Speiseöl zugesetzt wurde, entstand beim Verschwelen in hoher Konzentration 3-MCPD. Dies führt, wie bei der Problematik der Entstehung von PAK´s, zur Empfehlung, Marinaden bzw. fetthaltigen Fleischsaft nicht auf die Grillkohle tropfen zu lassen. Durch Verwendung einer Grillschale aus Aluminium lässt sich beispielsweise beim Grillen mit Grillkohle die Entstehung von 3-MCPD vermeiden.

 

Ausblick
Wie die Untersuchungsergebnisse zeigen, können Würste und Schinken, die mit frischem Rauch hergestellt werden, erhöhte Gehalte an 3-MCPD aufweisen. Es gibt aber auch geräucherte Fleischerzeugnisse, die nur wenig 3-MCPD enthalten. Der Gehalt hängt sicherlich von der Räuchertechnologie, dem verwendeten Holz und der Verweilzeit in der Räucherkammer ab. Das CVUA Stuttgart wird weiterführende Untersuchungen durchführen.

Eine ausführliche Darstellung der Untersuchungen des CVUA Stuttgart erscheint auch in einer der nächsten Ausgaben der Deutschen Lebensmittel-Rundschau.

 

Bericht erschienen am 31.07.2006 13:46:38