Rückstände von Morpholin in exotischem Obst (Oktober 2010 - Februar 2011)

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

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Zusammenfassung

Im Herbst 2010 wurden im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) Morpholin - Analysenbefunde durch die britische Food Standards Agency (FSA) eingestellt.
Morpholin wird als Trägerstoff und Emulgator in Wachsen zur Behandlung der Oberfläche exotischer Obstsorten wie Ananas, Mango, Papaya, Orangen und Avocados z.B. in Südamerika, USA, Israel und Südafrika eingesetzt.
Bei Morpholin handelt es sich demnach um einen Zusatzstoff, der jedoch in der EU keine Zulassung besitzt. Morpholin kann bei der Untersuchung auf Pestizidrückstände analytisch miterfasst werden.


Der Verzehr von Morpholinhaltigem Obst führt nicht zu einer unmittelbaren gesundheitlichen Gefährdung; da es sich jedoch um einen nicht zugelassenen Zusatzstoff handelt, darf Obst aus Gründen des vorsorglichen Verbraucherschutzes kein Morpholin enthalten.


Aufgrund der Befunde aus Großbritannien wurden am CVUA Stuttgart in der Zeit von Oktober 2010 bis Februar 2011 insgesamt 131 Proben Zitrusfrüchte, exotische Früchte und Avocados auf ihren Gehalt an Morpholin untersucht.
In 15 Proben (11,5%) wurden Rückstände nachgewiesen. 11 dieser Proben wurden wegen der Verwendung eines nicht zugelassenen Zusatzstoffes beanstandet.
14 der 15 Proben mit Morpholinrückständen stammten aus Nicht-EU - Ländern, lediglich in einer Probe Kaki aus Spanien wurden geringe Gehalte nachgewiesen.
Die ermittelten Proben mit Morpholin - Befunden wurden in das europäische Schnellwarnsystem RASFF eingestellt.

 

Im Dezember 2010 verfügte die EU, dass Obstimporte ab dem Stichtag 15.12.2010 in der gesamten Frucht einschließlich Schale kein Morpholin mehr enthalten dürfen.
Die Untersuchungen ergaben, dass sich die Anzahl Proben mit nachgewiesenen Morpholingehalten nach dem Stichtag prozentual um ca. die Hälfte verringert hat.

 

Fazit und Bewertung

Morpholin ist eine heterocyclische Verbindung mit der Summenformel C4H9NO, die toxikologisch etwa dem Ammoniak entspricht. Es kann in ein sekundäres Amin umgewandelt werden und mit nitrosierbaren Verbindungen krebserregende Nitrosamine bilden. Risikobetrachtungen der FSA haben gezeigt, dass das Vorkommen geringer Mengen Morpholin über kurze Zeiträume mit hoher Wahrscheinlichkeit die öffentliche Gesundheit nicht beeinträchtigen.

 

Im Dezember 2010 verfügte die EU, dass Warensendungen von Ananas, Mangos, Papayas und Avocados, also Früchte, bei denen ein Verzehr der Schale nicht erwartet wird, bis 15.12.2010 in die EU importiert werden dürfen, wenn Morpholin im essbaren Teil der Frucht nicht nachgewiesen wird.
Dagegen dürfen Obstsendungen nach dem Stichtag 15.12.2010 in der gesamten Frucht einschließlich Schale kein Morpholin mehr enthalten.
 

 

Von Oktober 2010 bis 15.12.2010 wurden insgesamt 86 Obstproben untersucht, in 12 Proben (14,0 %) wurde Morpholin nachgewiesen.
Acht dieser Proben (9,3 %) wurden wegen der Verwendung eines in der EU nicht zugelassenen Zusatzstoffes beanstandet. Die anderen vier Proben mit Morpholingehalten wurden aufgrund der o.g. rechtlichen Vorgaben (Obstsorte, Schale nicht zum Verzehr geeignet, Import vor dem Stichtag 15.12.2010) jedoch nicht beanstandet.

 

Nach dem Stichtag 15.12.2010 wurden weitere 45 Obstproben stichprobenhaft auf Morpholin untersucht. In diesen Obstproben darf nun, unabhängig von der Obstsorte und ob bei der Schale ein Verzehr erwartet werden kann oder nicht, kein Morpholin mehr enthalten sein.
In drei der untersuchten Proben (6,7 %; jeweils eine Grapefruit, Limette und Mango) wurden jedoch Morpholingehalte nachgewiesen, sie wurden daher wegen der Verwendung eines in der EU nicht zugelassenen Zusatzstoffes beanstandet.
Insgesamt hat sich die Anzahl Proben mit nachgewiesenen Morpholingehalten demnach nach dem Stichtag prozentual um ca. die Hälfte verringert.

 

Ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Morpholin-Untersuchungen

 

In Tabelle 1 sind die Probenzahlen nach regionaler Herkunft aufgeführt:
Herkunftsland
Probenzahl

Italien

7

Spanien

27

Türkei

8

Israel

7

USA

4

Mittel- / Südamerika

54

Asien

11

unbekannt

6

Tabelle 1: Probenzahl nach regionaler Herkunft (CVUA Stuttgart Oktober 2010 - Februar 2011)

 

 

Die Probenzahl gliedert sich unter den untersuchten Obstsorten wie in nachfolgender Tabelle 2 folgt:
Obstsorten
Probenzahl
   
Fruchtgemüse
4

davon Melone

4

   
Kernobst
2

davon Birnen

2

   
Steinobst
3

davon Avocados

3

   
Zitrusfrüchte
71

davon Orange

19

Mandarine

1

Clementine

10

Zitrone

8

Grapefruit

9

Satsumas

1

Limette

11

Kumquat

2

Pomelo

7

Mineola

2

   
Exotische Früchte
52

davon Ananas

12

Maracuja

1

Kaki

4

Papaya

2

Mango

18

Granatapfel

4

Kiwi

1

Physalis

4

Pitahaya

4

Nashi-Birne

2

Tabelle 2: Gliederung der Probenzahl nach Obstsorten (CVUA Stuttgart Oktober 2010 - Februar 2011)

 

In Tabelle 3 sind die Proben mit nachgewiesenen Morpholingehalten und ihrem jeweiligen Herkunftsland aufgeführt:
Probenart mit nachgewiesenem Morpholingehalt
Herkunftsland
Morpholingehalt [mg/kg]

Ananas

Costa Rica

2,3

Orangen

Südafrika

9,1

Orangen

Südafrika

7,9

Kaki

Spanien

0,05

Limetten

Mexiko

25,3

Zitrone

Türkei

0,69

Orangen

Chile

10,7

Pitahaya

Vietnam

2,2

Mangos

Brasilien

0,08

Limetten

Mexiko

0,68

Mangos

Brasilien

0,07

Pitahaya

Vietnam

4,3

 
Stichtag 15.12.2010

Grapefruit

USA

0,67

Limetten

Brasilien

1,2

Mango

Peru

5,5

Tabelle 3: Zuordnung der Proben mit nachgewiesenem Morpholingehalt zum jeweiligen Herkunftsland
(CVUA Stuttgart Oktober 2010 - Februar 2011)

 

Download

 

Bildernachweis

Pitahaya 12, wrw, Pixelio.de, Image-ID=350826.

Ananas, Gabi Schoenemann, Pixelio.de, Image-ID=227324.

Zitrone und Limetten, stonewashed, Pixelio.de, Image-ID=339593.

 

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Autor(en): Dr. Renate Schnaufer , Kathi Hacker, Marc Wieland

 

Bericht erschienen am 30.03.2011 09:43:28

Zuletzt aktualisiert am 30.03.2011 14:19:19