Historie
Ein geschichtlicher Rückblick
1. Ein geschichtlicher Rückblick
Die Gründung der Chemischen Landesuntersuchungsanstalt (CLUA) Sigmaringen
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen wurde zum 01.07.1963 gegründet, damals noch unter dem Namen "Chemische Landesuntersuchungsanstalt Sigmaringen" oder abgekürzt "CLUA". Vorläufer waren das Chemische Landesuntersuchungsamt Reutlingen und die Staatliche Anstalt für Lebensmitteluntersuchungen Ulm (gegründet 1869). Die Neugründung ging auf einen Beschluss des Landtags von Baden-Württemberg im Jahre 1958 zurück, nach dem die beiden Untersuchungsämter in Reutlingen und Ulm aufzulösen und zu einer neuen Dienststelle in Sigmaringen zusammenzulegen waren.
Mitentscheidend für diesen Beschluss war der Gedanke, in Baden-Württemberg anstelle von mehreren kleinen chemischen Untersuchungseinrichtungen (damals landesweit 11) für jeden der vier Regierungsbezirke eine Untersuchungsanstalt zu bilden und dadurch die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit dieser Einrichtungen zu erhöhen - eine auch aus heutiger Sicht sehr plausible Begründung. Erleichtert wurde die Entscheidung auch dadurch, dass sich beide Untersuchungseinrichtungen in einem sehr schlechten baulichen Zustand befanden und die Unterbringung den Anforderungen nicht mehr genügte.
Für den Standort Sigmaringen - und nicht für größere Städte wie beispielsweise Tübingen, Reutlingen oder Ulm - sprach einerseits die geographisch zentrale Lage innerhalb des damaligen Regierungsbezirks. Andererseits hatte das Votum für Sigmaringen einen politischen Hintergrund: Mit dem Anschluss der „Hohenzollernschen Lande", dem ehemals preußischen Regierungsbezirk, an Südwürttemberg verlor die Stadt Sigmaringen den Standort des Regierungspräsidiums und damit an politischer Bedeutung. Nach dem Willen der baden-württembergischen Landesregierung sollte dieser Zentralitätsverlust durch die Ansiedlung von Behörden mit überregionaler Bedeutung, wie z.B. auch das Verwaltungsgericht Sigmaringen und das Staatsarchiv Sigmaringen ausgeglichen werden.
Der Neubau der CLUA Sigmaringen wurde im Jahr 1963 in der Hedingerstraße erstellt. In den ersten Jahren war im selben Gebäude auch das Staatliche Hochbauamt untergebracht. Die Kosten für das Gesamtobjekt beliefen sich damals auf 2,2 Millionen DM.
Der Zuständigkeitsbereich der neuen Untersuchungsanstalt umfasste zunächst die damaligen Landkreise Aalen, Balingen, Biberach, Ehingen, Freudenstadt, Hechingen, Heidenheim, Horb, Münsingen, Ravensburg, Reutlingen, Rottweil, Saulgau, Sigmaringen, Tettnang, Tübingen, Tuttlingen, Ulm und Wangen sowie die Städte Geislingen an der Steige und Ulm. Die Gesamteinwohnerzahl für diesen Bereich betrug 1,8 Millionen.
In der Anfangszeit waren an der CLUA Sigmaringen insgesamt 56 Personen beschäftigt, darunter 12 wissenschaftliche Sachverständige und 24 technische Mitarbeiter.
Der erste Leiter der CLUA Sigmaringen war Herr Erich Benk, der das Amt bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1976 leitete. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Dr. Christoph Reinhard von 1977 bis April 2000 bestellt.
Die Raumnot in der CLUA Sigmaringen
Aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die technischen Anlagen, des Platzbedarfs für die modernen Analysengeräte und des zunehmenden Aufgabenspektrums waren bereits Anfang der 70er Jahre die Laborflächen nicht mehr ausreichend. Dem konnte zunächst durch den Auszug des Staatlichen Hochbauamtes und Umbau der dadurch freigewordenen Räume sowie weiterer Räume im Untergeschoss abgeholfen werden.
Infolge der rasanten Weiterentwicklung der messtechnischen Analysenverfahren und der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung herrschte bereits Ende der 70er Jahre in verschiedenen Bereichen wieder akute Raumnot. Darüber berichtete beispielsweise die Schwäbische Zeitung in ihrer Ausgabe vom 29.01.1979 unter der Überschrift "Raumnot in der Landesuntersuchungsanstalt macht Erweiterung dringend erforderlich".
Eine grundlegende Verbesserung der Raumsituation ließ allerdings noch weitere 18 Jahre auf sich warten. Nachdem eine Überprüfung zu dem Ergebnis geführt hatte, dass eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes in der Hedingerstraße im erforderlichen Umfang weder aus technischen noch aus städtebaulichen Gründen akzeptabel ist, blieb als einzige Lösung die Errichtung eines Neubaus.
Neubau - 1. Bauabschnitt - in der Fidelis-Graf-Straße
Mit der Planung für einen Teilneubau wurde bereits im Jahr 1990 begonnen. Das Baugrundstück in der Fidelis-Graf-Straße in unmittelbarer Nähe zur Hochschule Albstadt-Sigmaringen konnte das Land Baden-Württemberg vom Fürstenhaus von Hohenzollern erwerben. Das Gebäude wurde von einem privaten Investor finanziert und an das Land langfristig vermietet.
Nach 16-monatiger Bauzeit konnte im Dezember 1996 ein Teil der Laboratorien bezogen werden. Als Folge der Neuorganisation der Lebensmittelüberwachung, die in dieser Zeit in ihre entscheidende Phase trat, musste ein Teil der Räume technisch nachgerüstet werden. Die fertiggestellten Räume und Laboratorien wurden dann zum 01.07.1997 bezogen. Das Gebäude weist eine Gesamtnutzfläche von annähernd 2.200 qm auf.
Der Bezug des Neubaus wurde am 24.09.1997 mit einem Festakt und am 27.09.1997 mit einem sehr gut besuchten "Tag der offenen Tür" begangen.
Damit sind die Räumlichkeiten in zwei Dienstgebäuden in einer Entfernung von ca. 4 km untergebracht. Die Anzahl der Beschäftigten ist zu etwa gleichen Teilen auf Alt- und Neubau verteilt: Im Altbau in der Hedingerstraße befinden sich die Amtsleitung und die Verwaltung sowie die Abteilung 1, ein Teil der Abteilung 2 (Untersuchung von Trinkwasser) sowie die Abteilung 4. Die Räumlichkeiten für einen Teil der Abteilung 2 (Molekularbiologie, PCR-Analytik und Eiweißdifferenzierung) sowie für die Abteilungen 3 und 5 befinden sich im Neubau. In beiden Dienstgebäuden arbeiten insgesamt ca. 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Neuorganisation der amtlichen Lebensmittelüberwachung ab 1996
Bereits im Oktober 1992 hatte der Rechnungshof die Organisation der amtlichen Lebensmittelüberwachung überprüft und die Bildung von jeweils einer integrierten Untersuchungseinrichtung in den vier Regierungsbezirken vorgeschlagen.
Die politische Umsetzung dieser Verbesserungsvorschläge hatte für die CLUA Sigmaringen folgende konkrete Auswirkungen:
- Mit Fertigstellung des Neubaus wurden zum 01.07.1997 die Rückstandsuntersuchungen nach dem Fleisch- und Geflügelfleischhygienerecht vom Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf an die CLUA Sigmaringen verlagert.
- Außerdem wurden zu diesem Zeitpunkt die mikrobiologischen Untersuchungen der Lebensmittel tierischer Herkunft der CLUA Sigmaringen übertragen.
Somit werden im Regierungsbezirk Tübingen seit 01.07.1997 die chemischen und mikrobiologischen Untersuchungen von Lebensmitteln tierischer Herkunft im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung in einer Untersuchungseinrichtung durchgeführt.
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Sigmaringen
Zum 01.01.2000 wurde die CLUA Sigmaringen in "Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen" umbenannt, abgekürzt: "CVUA Sigmaringen".
Gleichzeitig wurden die mikrobiologischen Untersuchungen von Trinkwasser und pflanzlichen Lebensmitteln, die bisher vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in Stuttgart für den Regierungsbezirk Tübingen durchgeführt worden waren, als Dienstaufgabe dem CVUA Sigmaringen übertragen. Damit werden seit 01.01.2000 die chemischen und mikrobiologischen Untersuchungen aller Lebensmittel - sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft - im CVUA Sigmaringen durchgeführt.
2. Ausblick (Neubau - 2. Bauabschnitt)
An der unbefriedigenden räumlichen Situation des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Sigmaringen hat sich nichts geändert. Nach wie vor sind die Räumlichkeiten seit Bezug des Neubaus, 1. Bauabschnitt im Jahre 1997 auf drei Gebäude verteilt: auf den Altbau in der Hedingerstraße, den Neubau (1. Bauabschnitt) in der Fidelis-Graf-Straße und das Ausbildungszentrum in der Karlstraße. Die dringend notwendige Realisierung des 2. Bauabschnittes steht weiterhin aus.
Der Bauantrag für den 2. Bauabschnitt wurde bereits im Jahre 2001 genehmigt. Nach einer Überarbeitung und Anpassung an die jetzt bestehende Organisationsstruktur und den aktuellen Personalbestand wurde eine Flächeneinsparung von annähernd 10 % erzielt, die zu einer Reduzierung der ursprünglichen Baukostensumme führen wird.
Die Dringlichkeit der Baumaßnahme wurde in der Vergangenheit mehrfach ausführlich zu verschiedenen Anlässen dargestellt (z.B. anlässlich eines Besuchs von Herrn Finanzminister Stratthaus im Jahr 2003, von Frau Staatssekretärin Gurr-Hirsch im Jahr 2005 und von Herrn Minister Hauck im Jahr 2007). Die im Rahmen einer Brandverhütungsschau festgelegte Frist für die erforderlichen aufwändigen und kostenintensiven Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen im Altbau Hedingerstraße 2/1 lief im Juni 2008 ab.
Nach derzeitigem Stand besteht die begründete Hoffnung auf einen Baubeginn im Jahre 2009.