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Klauenbad mit tödlichem Ausgang: 10 Schafe starben an einer Kupfervergiftung

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Ruth Uhl, praktische Tierärztin (Praxis Dr. Maier Abtsgmünd); Dr. Christine Süß-Dombrowski, Fachtierärztin für Pathologie (CVUA Stuttgart)

 

Das wohl gemeinte Klauenbad geriet zehn Schafen zum Verhängnis. Sie sind einen Tag danach verendet.

 

Abb. 1: Archivbild (privat)

 

Ein Schäfer hatte vier Schafe an das CVUA Stuttgart zur Sektion gebracht. Sie hatten alle ein Klauenbad zur Behandung der Moderhinke erhalten. Ingesammt sind 10 Schafe aus seiner Herde von 100 Tieren innerhalb von 24 Stunden nach dem Bad verendet.

 

Das Krankheitsbild

Die bestandsbetreuende Tierärztin wurde zur Herde gerufen, da der Schäfer zwei Tiere tot aufgefunden hatte. Ein weiteres war erkrankt und konnte nicht mehr stehen. Bei dessen Untersuchung stellte die Tierärztin quittengelben Schleimhäute, eine Körpertemperatur von 40,5 °C und dunkelbraunen Durchfall fest. Pansengeräusche waren nicht zu hören. Sie erfuhr, dass alle Schafe ein Klauenbad in einer 10 cm tiefen Plastikwanne erhalten hatten, die gefüllt war mit der Klauenbadflüssigkeit und Stroh. Laut Aufdruck auf dem Gebinde war die handelsübliche Klauenbadflüssigkeit „Hygiene Klauenbad Konzentrat“ zur Anwendung bei Rindern und Schafen zugelassen. Die Tierärztin beobachtete, dass die Flüssigkeit bläulich schimmerte. Aufgrund dieser Beobachtung, der Symptomatik und des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Aufstellen des Klauenbades und Erkrankungen, lag für sie die Verdachtsdiagnose einer Kupfervergiftung nahe.

 

Sektionsbefund

Alle drei Schafe waren in sehr gutem Pflege- und Ernährungszustand. Zwei der Schafe waren bei der Untersuchung bereits witterungs- und krankheitsbedingt nicht mehr gut untersuchungsfähig. Beim dritten Schaf fiel eine hochgradige Gelbsucht (Ikterus) des ganzen Tierkörpers (Bild 2) auf. Die Leber war auffallend klein, zeigte eine deutliche Läppchenzeichnung und eine safrangelbe Farbe (Bild 3 und Bild 4). Bei der feingeweblichen Untersuchung stellten sich die Leberzellen hochgradig vakuolär degeneriert und gelbbraun pigmentiert dar. Die Nieren waren schwarz und erweicht und zeigten histologisch eine Ablagerung von dunkelbraunen Pigmenten in den Nierenkanälchen mit Schädigung (chromoproteinämische Tubulonephrose). Alle Symptome waren Ausdruck einer hämolytischen Krise, eines Zerfalls der roten Blutkörperchen.

Eine Erkrankung an Leptospirose, Blauzungenkrankheit und Listeriose konnte labordiagnostisch ausgeschlossen werden.

 

Abb. 2 bis 4: Schaf, Ikterus (Gelbsucht; lins); Leberdystrophie, Ikterus (oben rechts); Leber, Schnittfläche, Ikterus (unten rechts).

Abb. 2 bis 4: Schaf, Ikterus (Gelbsucht; lins); Leberdystrophie, Ikterus (oben rechts); Leber, Schnittfläche, Ikterus (unten rechts)

 

Toxikologische Ergebnisse

Bei der Elementuntersuchung der Lebern wurden am CVUA Stuttgart mittels Flammen-ASS (Atomabsoptionsspektrometrie) bei allen drei Schafen erhöhte Kupferwerte festgestellt werden:

 

Tabelle 1: Kupfergehalt in der Frischsubstanz Leber
Schaf 1 Schaf 2 Schaf 3
184 mg/kg 298 mg/kg 453,0 mg

 

Ab 100 mg/kg Kupfer, wie hier in allen Fällen, liegt eine Vergiftung vor [1].

 

Diagnose

Auf Grund des klinischen Krankheitsbildes, des Sektionsbefundes und der chemischen Analysen konnten wir die Diagnose Kupfervergiftung bestätigen [2]. Als Kupferquelle konnte die bestandsbetreuende Tierärztin das Klauenbad identifizieren. Vermutlich hatten die Schafe beim Durchlaufen durch das Klauenbad kleine Mengen des Strohs mit der Flüssigkeit aufgenommen. Möglicherweise waren sie durch vorherige Behandlungen oder durch kontaminiertes Futter im Sinne einer chronischen Vergiftung vorgeschädigt und haben dann eine akute hämolytische Krise erlitten.

 

Behandlung und Prognose

Natriumselenit soll zusammen mit Ammoniummolybdat in einer flüssigen Lösung oral eingegeben oder parenteral verabreicht bei der chronischen Kupfervergiftung helfen. Alle Tiere wurden zusätzlich mit Penicillin-Dihydrostreptomycin und Meloxicam behandelt. Die mehrmalige Injektion von Natriumselenit hat in diesem Bestand nur bei Tieren, die noch stehfähig waren, geholfen. Bei festliegenden Tieren ist die Prognose sehr ungünstig. Bei Tieren, die noch schwankend laufen, ist die Prognose mit entsprechender Therapie günstig.

 

Vorbeugung

Nur streng für Schafe zugelassene Produkte verwenden. Zusätzlich vor der Anwendung eines Klauenbades dieses optisch auf blaue schimmernde Farbe und somit auf einen möglichen Kupferzusatz prüfen. Prüfen Sie auch die schriftliche Produktbeilage und das Produkt-Datenblatt, da die Inhaltsangaben von denen auf dem Behälter abweichen können.

 

Infokasten

Kupfervergiftung beim Schaf

Kupfer ist einerseits ein lebensnotwendiges Spurenelement, andererseits kann es, tierartlich in unterschiedlichen Dosen, zur Vergiftung führen. Kupfer wird in der Leber gespeichert. Schafe reagieren sehr empfindlich auf hohe Kupferdosen. Die Speicherkapazität ihrer Leber wird schneller als bei anderen Tierarten erschöpft. Nach Überschreiten der Speicherkapazität wird schlagartig eine große Menge von Kupfer freigesetzt, was zur Auflösung der roten Blutkörperchen (Hämolyse), Gefäßschädigung und zur Blockade des Sauerstofftransports führt. Es kommt zur sogenannten hämolytischen Krise und rasch zum Tod. Die plötzliche Entspeicherung der Leber kann durch Stresssituationen wie Transport, Schur, Unruhe und Hunger ausgelöst werden [3].

Lämmer sind empfindlicher als Altschafe. Einmalig hohe Dosen führen zur akuten Vergiftung, während niedrige Dosen über längere Zeit in der Leber kumulieren. Auch kleine Kupferdosen können dann bereits eine akute hämolytische Krise auslösen.

Kupfervergiftung bei Schafen können entstehen

  • beim Einsatz kupferhaltiger Mittel gegen Moderhinke
  • beim Einsatz kupferhaltiger Wurmmittel
  • bei der Verfütterung von Milchaustauschern, Mineralstoffmischungen und Futtermitteln, die nicht für Schafe, sondern für Kälber, Rinder, Kaninchen oder Schweine zugelassen sind
  • beim Einsatz von Obstbaumspritzmittel, über den dann hohen Kupfergehalt im Boden und der dort wachsenden Pflanzen (Futtermittelkontamination)
  • beim Ausbringen von Schweinegülle als Dung auf Schafweiden

 

Bildernachweis

Alle Fotos: Christine Süß-Dombrowski, CVUA Stuttgart

 

Quellen

[1] Kurt Dedié, Hartwig Bosted: Schafkrankheiten; Ulmer Verlag, 1. Aufl.

[2] M. Donald McGavin, James F. Zachary: Pathologie der Haustiere; Elsevier Urban & Fischer München, 1. Aufl.

[3] https://www.vetpharm.uzh.ch/perldocs/index_x.htm

 

Bericht erschienen am 05.12.2018 07:53:58

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