Erster gemeinsamer Online-Kurs zur MALDI-TOF MS veranstaltet durch drei CVUA Baden-Württembergs

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Jörg Rau, Pat Schreiter, Ekkehard Hiller, Martin Dyk, Olivera Wenninger (CVUA Stuttgart), Christine Wind (CVUA Freiburg), Christian Guckert (CVUA Karlsruhe)

 

Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart wurde der zweite Kurs für Anwender der MALDI-TOF Massenspektrometrie – diesmal als Online-Variante – organisiert. An zwei Tagen konnten wir elf Teilnehmenden unsere Erfahrungen mit der Anwendung der Technik für die Lebensmitteluntersuchung weitergeben. Neben der Datenbankerstellung und Validierung stand die Artenbestimmung im Fokus der Veranstaltung. Wir zeigten unsere Arbeitsweisen für Muskelfleisch, Milchprodukte und Pilze. Expert*innen aus dem CVUA Karlsruhe und dem CVUA Freiburg demonstrierten ihre Methoden für Fische und Insekten.

 

Abbildung: Titelseite des zum Kurs angebotenen Flyers.Komplexe analytische Systeme ressourcenschonend weiterzuentwickeln und neue Methoden sinnvoll einzusetzen, bedarf erheblicher Anstrengungen. Ausbildung und Fortbildung haben deshalb in der modernen Laborarbeit einen großen Stellenwert. Bedingt durch die Corona-Pandemie war in diesem Jahr der sonst übliche fachliche Austausch durch den Ausfall von Tagungen und Kursen für viele sehr stark eingeschränkt.

 

Unser Team aus dem Labor für Identifizierende Spektroskopie am CVUA Stuttgart wollte ursprünglich im April 2020 eine selbst organisierte Präsenzveranstaltung zur Anwendung der MALDI-TOF MS im Lebensmittellabor anbieten. Die aktuelle Pandemie machte dies unmöglich. Der Kurs wurde daher zuerst auf November 2020 verschoben und nun letztendlich zu einem Online-Kurs umgebaut. Daher hat es uns sehr gefreut, dass wir trotz der Umstände elf Teilnehmende aus neun Institutionen in der neuen Variante unseres MALDI-Kurses begrüßen konnten.

 

Die Technik der Matrix-unterstützten Laser Desorption/Ionisation Flugzeit-Massenspektrometrie (MALDI-TOF MS) wird seit mehreren Jahren in den vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern (CVUA) Baden-Württembergs und dem Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf – Diagnostikzentrum genutzt. Sehr schnell hat die effiziente Technik eine zentrale Rolle im Arbeitsgang der Mikrobiologie für die Lebensmitteluntersuchung und die veterinärmedizinische Bakteriologie übernommen.

 

Zusätzlich wurden Erweiterungen der MALDI-Anwendung zur Arterkennung von Muskelfleisch, Milchprodukten, Fischen, Insekten und Pilzen etabliert. Bei diesen Aktivitäten arbeiten die MALDI Gruppen der Untersuchungsämter im Land zusammen. Sie entwickeln gemeinsame Strategien zur Datenbankerweiterung, zur Validierung und zum Datenaustausch. Sie unterstützen sich auch gegenseitig bei Fachveranstaltungen und Schulungen. Diese Zusammenarbeit erweitert sich nun auch über das wachsende Netzwerk der MALDI-Nutzer Plattform MALDI-UP.

 

Der von uns gemeinsam gestaltete MALDI-Kurs umspannte die Erstellung eigener Referenzdatenbanken und deren Validierung sowie die Details neuer Anwendungen für die Artidentifizierung von Tieren und Pilzen. Herr Dr. Hiller zeigte dabei die Möglichkeiten des MALDI-Systems für die Tierarterkennung von Fleisch und Milchprodukten. Ihre praktischen Erfahrungen zu Insekten und Fischen brachten Frau Dr. Christine Wind (CVUA Freiburg) und Herr Christian Guckert (CVUA Karlsruhe) in den Kurs ein. Die Pilzsachverständige Frau Dr. Schreiter beleuchtete den Nutzen der MALDI Technologie für die Erkennung von Trüffel, Gift- und Speisepilzen.

 

Die Besonderheit der Veranstaltung waren die Praxisteile, die – dem online Format entsprechend – in diesem Jahr erstmalig durch Video-Sequenzen unterstützt wurden. Bei Fleisch und Milch konnten Olivera Wenninger und Martin Dyk ihre vielfältigen Erfahrungen, ihre Tipps und Tricks von der Probenaufarbeitung bis zur Datenauswertung und der Erstellung von Referenzspektren präsentieren.

 

Unter den Teilnehmenden unseres zweiten Kurses werden sich weitere Netzwerkpartner für die MALDI-User-Plattform finden. Mit ihnen wollen wir die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Sinne von Verbraucherschutz und Tiergesundheit weiter ausbauen. Wir möchten MALDI-Referenz- und Einzelspektren tauschen, Methoden und technische Kniffe weitergeben und uns – nach den Einschränkungen durch Corona – ggf. auch wieder durch Vor-Ort-Hospitationen gegenseitig weiterbilden.

 

Zur weiteren praxisnahen Unterstützung der Anwender haben wir aktuell Protokolle zur Probenaufarbeitung, mit denen wir gute Erfahrung gemacht haben, in eine einheitliche labortaugliche Kurzform gebracht [1]. Diese finden sich ebenfalls auf MALDI-UP.

 

Wir danken allen Teilnehmenden für die lebhaften Diskussionen und allen Referenten für ihr besonderes Engagement, das uns trotz der außergewöhnlichen Bedingungen unser Schulungsangebot ermöglichte. Der große Zuspruch der Teilnehmenden hat uns motiviert, bereits im April 2021 einen weiteren Kurs mit analogem Inhalt anzubieten. Das Anmeldeformular dazu finden Sie ebenfalls auf MALDI-UP.

 

Eine weitere Veranstaltung in Baden-Württemberg ist das im Herbst 2021 vorgesehene fünfte Freiburger MALDI-Meeting am CVUA Freiburg, bei dem sich, wie in den Vorjahren, sicher nicht nur aus unserem Bundesland Interessierte austauschen werden.

 

Referenzen

[1] Dyk M, Wenninger O, Guckert C, Fuchs J, Wind C, Hiller E, Schreiter P, Rau J (2020): Collection of sample preparation protocols for MALDI- TOF MS based identification of meat, dairy products, fish and insects. Aspects of Food Control and Animal Health, 13, 1–13. https://doi.org/10.48414/aspects2020/13

 

 

Artikel erstmals erschienen am 22.12.2020