Olivenöl im Fokus: Betrug und Verunreinigungen bedrohen die Qualität
Julian Belschner, Sarah Gutsche, Nadine Ebert
Olivenöl zählt zu den beliebtesten Speiseölen weltweit – doch nicht immer ist in der Olivenölflasche auch drin, was draufsteht. In den letzten Jahren häufen sich die Berichte über Verfälschungen von Olivenöl zunehmend. Dies spiegelt sich auch in unseren Untersuchungen wider. Neben Verfälschungen mit anderen Speiseölen rücken vermehrt Verunreinigungen mit Prozess- und Umweltkontaminanten, wie Mineralöl, in den Fokus. Deshalb untersucht das Zentrallabor für Speiseöle und -fette am CVUA Stuttgart regelmäßig Olivenöle auf deren Qualität, Zusammensetzung und Verunreinigungen.

Abbildung 1: Frische Oliven und Olivenöl
Hintergrund: Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Olivenölproduktion
Der Klimawandel stellt den Olivenanbau in Europa vor große Herausforderungen. Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre und Überschwemmungen führten in den Erntejahren 2022/23 und 2023/24 zu erheblichen Ernteausfällen – insbesondere in Spanien und Griechenland.
Auch die Verbreitung von Schädlingen, wie der Olivenfruchtfliege, beeinträchtigen zunehmend den Olivenanbau. Die verschiedenen extremen Umweltereignisse der letzten Jahre führten zu einem Rückgang der Olivenölproduktion in Europa um ca. 35 % im Jahr 2022/23 und ca. 22 % im Jahr 2023/24 im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt der Vorjahre.
Diese starken Ernteeinbußen konnten auch durch Importe aus Drittstaaten nicht vollständig ausgeglichen werden. Als Folge stiegen die Preise für Olivenöl in den Supermärkten deutlich an, was Verbrauchern noch gut in Erinnerung sein dürfte. Gleichzeitig machten die hohen Preise Olivenöl zu einem attraktiven Ziel für eine kriminelle Bereicherung durch Produktfälschungen. Deshalb hatte das CVUA Stuttgart in diesen Jahren ein besonderes Augenmerk auf die Olivenöle gelegt, um mögliche Verfälschungen aufgrund der gestiegenen Preise aufzudecken.

Abbildung 2: Olivenhain in Spanien (Bildnachweis: Leopictures auf Pixabay)
Untersuchung von Olivenölen
Das CVUA Stuttgart untersucht jährlich eine Vielzahl an Speisefetten und Speiseölen, darunter auch einen großen Anteil an Olivenölen. Die Untersuchungen umfassen sowohl die Überprüfung der Identität und Qualität der Öle als auch die Analyse möglicher Kontaminationen. Durch die Anwendung moderner Analysentechniken in Kombination mit sensorischen Untersuchungen ist es möglich, Verfälschungen und Verunreinigungen zu erkennen.
In den Jahren 2024 und 2025 wurden insgesamt 534 Olivenöle untersucht, von denen laut Kennzeichnung 473 Öle zur höchsten Güteklasse „nativ extra“ gehörten. Die Beanstandungsquote stieg von 38 % im Jahr 2024 auf 43 % im Jahr 2025. Der Großteil der Beanstandungen betraf Mängel hinsichtlich der Kennzeichnung und Bewerbung, einschließlich nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben.
Zunahme an Verfälschungen: Fremdöle in Olivenöl
Besonders auffällig ist dabei die starke Zunahme von Verfälschungen mit billigen Fremdölen. Während die Zahl der Proben, welche allein aufgrund von Kennzeichnungsmängeln beanstandet wurden, in den beiden letzten Jahren nahezu konstant bei etwa 27 % blieb, stieg die Anzahl der irreführend bezeichneten Proben von 10 % im Jahr 2024 auf 18 % im Jahr 2025 an (siehe Abb. 3). Derartige Beanstandungen sind üblicherweise auf eine mangelhafte Qualität der Produkte zurückzuführen, weil sie die Qualitätsanforderungen an ein „Natives Olivenöl Extra“ nicht erfüllen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Öle minderer Qualität, z. B. „Native Olivenöle“ oder sogar um nicht verkehrsfähige „Lampantöle“ (siehe Infokasten „Olivenöl“).

Abbildung 3: Anzahl an irreführend bezeichneten Proben im zeitlichen Verlauf von Januar 2024 bis Dezember 2025. Im Zeitraum von Januar bis Juli 2025 ist eine deutliche Zunahme an irreführenden Proben erkennbar.
Bei den in 2025 untersuchten Proben ist die hohe Zahl irreführender Bezeichnungen jedoch auf eine starke Zunahme gefälschter Olivenöle zurückzuführen. In diesem Jahr wurden 11 % aller untersuchten „nativen Olivenöle extra“ als verfälscht identifiziert. In den Vorjahren lag die Quote für Verfälschungen üblicherweise bei 2–3 % der Olivenölproben. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um raffiniertes, häufig auch ranziges Sonnenblumenöl, welches mit Farb- und Aromastoffen versetzt wurde, um das Aussehen und den Geschmack von Olivenöl vorzutäuschen. Diese Olivenöl-Fälschungen wurden dann in großen Mengen, häufig in 5-Liter-Kanistern, über kleine Einzelhändler, die Gastronomie und insbesondere auch über Online-Marktplätze zu handelsüblichen Preisen von „Nativem Olivenöl Extra“ in den Verkehr gebracht. Olivenöl ist unter normalen Erntebedingungen etwa drei- bis viermal so teuer wie Sonnenblumenöl. Infolge der Ernteausfälle von 2022 bis 2024 stiegen die Preise jedoch drastisch an – zeitweise kostete der Liter Olivenöl bis zu neunmal mehr als der Liter Sonnenblumenöl.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Zahlen nicht repräsentativ für den gesamten Olivenölmarkt in Baden-Württemberg sind. Die zuständigen Behörden der Lebensmittelüberwachung erheben ihre Proben risikoorientiert, weshalb dem CVUA Stuttgart vermehrt auffällige oder verdächtige Proben zur Untersuchung vorgelegt werden.

Abbildung 4: Zahlreiche am CVUA Stuttgart untersuchte 5-Liter-Kanister „Natives Olivenöl Extra“, welche nachweislich mit Fremdölen verfälscht wurden.
Kontaminanten: MOSH/MOAH und MCPD-Ester im Fokus
Neben „extra nativen Olivenölen“ werden auch die anderen Güteklassen der Olivenöle regelmäßig untersucht. Neben der Qualität und Zusammensetzung kommt dabei auch der Untersuchung auf Verunreinigungen mit Kontaminanten eine besondere Bedeutung zu. Dazu wurden die Proben auf ihre Gehalte an MCPD- und Glycidylestern (MCPDE/GE), Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und gesättigten (MOSH) sowie aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) untersucht.
Während alle untersuchten Proben hinsichtlich ihrer Gehalte an PAKs erfreulicherweise unauffällig waren, zeigten sich insbesondere bei den sieben untersuchten Oliventresterölen gravierende Auffälligkeiten in Bezug auf MCPDE/GE und MOSH/MOAH.
- MCPD-Ester und Glycidylester: Eine der untersuchten Oliventresterölproben wies einen erhöhten Gehalt an MCPD-Estern von insgesamt 4100 µg/kg auf und überschritt damit den zulässigen Grenzwert um das 1,5-fache. In den restlichen Proben konnten zwar ebenfalls 3-MCPD- und Glycidylester nachgewiesen werden, jedoch stets unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgehalte.
- MOSH/MOAH: Die anderen sechs untersuchten Oliventresteröle wiesen hingegen mit durchschnittlich 150 mg/kg vielfache Überschreitungen des Orientierungswertes für MOSH auf (siehe Infokasten). Viel besorgniserregender ist jedoch, dass diese Proben ebenfalls sehr hohe Gehalte an MOAH aufwiesen. Die Untersuchung der Oliventresteröle ergab einen durchschnittlichen Gehalt an MOAH von 40 mg/kg, was den Orientierungswert der EFSA um das 20-fache überschreitet.
Aufgrund der nachgewiesenen hohen Gehalte an MCPD-Estern und MOSH/MOAH mussten alle untersuchten Oliventresteröle als „nicht verkehrsfähig“ eingestuft. Die sechs auf MOSH/MOAH untersuchten Öle wurden zusätzlich als "nicht sicher für den menschlichen Verzehr“ beurteilt.
Fazit
Die Beanstandungsquote von Olivenölen bleibt mit durchschnittlich 40 % im Jahr 2025, wie in den Vorjahren auch, auf einem weiterhin sehr hohen Niveau. Während in den Vorjahren die hohe Anzahl an Beanstandungen hauptsächlich auf Kennzeichnungsmängel zurückzuführen war, hat sich dies vor allem im Jahr 2025 grundlegend geändert. In diesem Jahr wurden 18 % der Proben, also fast jedes fünfte Olivenöl, als „irreführend“ beurteilt, was überwiegend auf eine große Anzahl an verfälschten Olivenölen zurückzuführen war. Die Daten zeigen jedoch auch, dass die getroffenen Maßnahmen der Behörden Wirkung zeigten und die Anzahl an verfälschten Proben gegen Ende des Jahres wieder rückläufig ist.
Weiterhin haben die Untersuchungen gezeigt, dass bei den Herstellern noch einiges an Handlungsbedarf hinsichtlich der Verunreinigungen mit MOSH/MOAH besteht, insbesondere bei den Oliventresterölen.
Dies zeigt umso mehr, dass eine regelmäßige Untersuchung von Olivenölen wichtig und sinnvoll ist, um Verbraucher wirksam vor verfälschten und kontaminierten Produkten zu schützen. Das Zentrallabor für Speiseöle und -fette am CVUA Stuttgart wird daher auch weiterhin regelmäßig Olivenöle „in den Fokus nehmen“.
Infokasten
Einteilung von Olivenölen gemäß VO (EU) 1308/2013
Olivenöle werden basierend auf der Art ihrer Herstellung bzw. ihrer Qualität in verschiedene Kategorien eingeordnet:
- Natives Olivenöl extra
- Natives Olivenöl
- Olivenöl – bestehend aus raffinierten Olivenölen und nativen Olivenölen
- Oliventresteröl (enthält ausschließlich aus der Behandlung von Oliventrester und direkt aus Oliven gewonnene Öle)
Für jede Olivenölkategorie sind bestimmte Anforderungen bezüglich Herstellung und Zusammensetzung bzw. Qualität vorgegeben. Native Olivenöle, die aufgrund ihrer minderwertigen Qualität nicht den Kategorien „natives Olivenöl extra“ bzw. „natives Olivenöl“ entsprechen, werden als Lampantöl bezeichnet. Lampantöl darf weder im Einzelhandel an den Endverbraucher abgegeben, noch in anderen Lebensmitteln verarbeitet werden. Entspricht ein Olivenöl nicht der für die Güteklasse vorgegebenen Qualität oder enthält Fremdöle, so ist die jeweilige Bezeichnung als irreführend zu beurteilen.
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
PAKs lösen sich sehr gut in Fett und gelangen z. B. beim Trocknen von Ölsaaten mit Rauchgasen in die Rohware und dann in das fertige Öl. Bei der Raffination können PAKs unter bestimmten Bedingungen jedoch fast vollständig entfernt werden.
MCPD- und Glycidylester
Hierbei handelt es sich um Prozesskontaminanten, welche überwiegend während der Desodorierung, einem Teilschritt der Fettraffination, entstehen. Entsprechend sind MCPD- und Glycidylester vor allem in raffinierten Fetten und Ölen und damit hergestellten Lebensmitteln zu finden. Die Stoffe werden als gesundheitlich bedenklich angesehen, weshalb diese in Lebensmitteln soweit wie möglich minimiert werden sollten.
MOSH/MOAH
Bei MOSH (gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe) und MOAH (aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe) handelt es sich um Rückstände aus Mineralölen, die über Verpackungen, Maschinen oder die Umwelt in Lebensmittel wie Speiseöle und Speisefette gelangen können.
- MOSH: Nach Einstufung der EFSA geht von MOSH aufgrund der derzeit niedrigen durchschnittlichen Gehalte in allen Lebensmittelgruppen keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit des Menschen aus. Das gilt jedoch nur, solange die Gehalte auf einem niedrigen Niveau bleiben. Der entsprechende Orientierungswert für MOSH in pflanzlichen Fetten und Ölen liegt bei 13 mg/kg.
- MOAH: MOAH wird als toxikologisch bedenklich angesehen, da es als potentiell krebserregend eingestuft wird. Im sogenannten SCoPAFF-Protokoll wurde daher vom zuständigen Gremium eine EU-weit einheitliche Vorgehensweise zur Beurteilung erarbeitet. Demnach sind Öle mit MOAH-Befunden von mehr als 2 mg/kg als nicht sichere und damit auch nicht verkehrsfähige Lebensmittel zu beurteilen.
Quellen
Olive Oil Times, USDA Forecasts Modest Decline in EU Olive Oil Production, Jan. 2026, abgerufen am 13.03.2026.
Olive Oil Times, Extreme Weather Ravages Olive Groves Across Greece, Undermining 2025 Output, Dez. 2025, abgerufen am 13.03.2026.
International Olive Council, Market Overview, Olive Oil Blances since 1990/91, abgerufen am 13.03.2026.
EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM), Update of the risk assessment of mineral oil hydrocarbons in food, 2023, abgerufen am 13.03.2026.
Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz Arbeitsgruppe Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika (ALB), Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (2019) Orientierungswerte für Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) in Lebensmitteln, abgerufen am 13.03.2026.
Ständiger Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed - kurz SCoPAFF), Summary Report, Apr. 2022, abgerufen am 13.03.2026.