Mückenspray als Kontamination in Lebensmitteln – Vorkommen und rechtliche Beurteilung

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Ellen Scherbaum, Hanna Marks

 

Jeder kennt das unangenehme Gefühl, wenn Stechmücken um einen schwirren. Viele Personen greifen daher auf sogenannte Repellents zurück, wenn sie sich in der Natur aufhalten, schließlich können Stechmücken auch Krankheiten übertragen. Dies gilt auch für Personen, die Wildfrüchte sammeln oder kultivierte Lebensmittel ernten.

Seit 10 Jahren stehen u. a. zwei der wirksamsten synthetischen Inhaltsstoffe von Repellents (wie z. B. von Mückensprays) im Fokus des Pestizidlabors des CVUA Stuttgart: Diethyltoluamid (DEET) und Icaridin (siehe Beitrag „Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Pilzen und Pilzerzeugnissen im Untersuchungsjahr 2009“). Kaum erstaunlich, wir werden hier hauptsächlich in Produkten fündig, die von Hand gesammelt oder geerntet werden.

 

Foto: eine Frau sammelt Pilze im Wald.

 

Was haben wir untersucht?

Seit 2015 haben wir etwa 10000 Proben pflanzliche Lebensmittel auf DEET untersucht, davon enthielten 1,4 % diese Wirksubstanz, Icaridin wurde in knapp 8000 Proben untersucht, hier waren lediglich 0,2 % der Proben positiv.

Besonders häufig weisen Wildpilze eine Kontamination mit DEET auf: in 50 % der untersuchten Proben war DEET nachweisbar, gefolgt von Tee und teeähnlichen Erzeugnissen, hier waren 16 % der Proben positiv (Tabelle 1).

Bei Pilzen mit höheren Gehalten an DEET handelte es sich hauptsächlich um Pfifferlinge und Steinpilze aus Russland, Weißrussland, Polen und Bulgarien. Proben mit höheren Gehalten an DEET in teeähnlichen Erzeugnissen betrafen Moringa- und Euphorbiatee aus Tansania.

 

Tabelle 1: Kontamination von Wildpilzen und Tee mit dem Repellent DEET (CVUAS 2015 bis 2019)
Lebensmittelgruppe
Proben-zahl
Anzahl Positiv
Mittelwert (mg/kg)
Maximum (mg/kg)
Minimum (mg/kg)
Wildpilze
58
38
0,15
2,0
0,001
Wildpilze getrocknete
40
10
0,13
1,2
0,003
Wildpilze tiefgefrorene
9
6
0,025
0,10
0,002
Summe Wildpilze
107
54
0,14
2,0
0,001
Früchte-, Blüten- und Kräutertee (teeähnliche Erzeugnisse)
37
6
0,043
0,13
0,003
Grün- und Schwarztee
14
2
0,004
0,005
0,003
Summe Tee und teeähnliche Erzeugnisse
51
8
0,034
0,13
0,003

 

Icaridin wurde in deutlich weniger Proben und meist nur in Spuren nachgewiesen. Die Befunde betrafen hauptsächlich Beerenobst und Blattgemüse mit Herkunft Deutschland. Lediglich zwei Proben Erdbeeren aus Deutschland und Spanien wiesen Gehalte über 0,01 mg/kg auf.

 

Infokasten

Biozide

Unter dem Begriff Biozide fasst man Wirkstoffe und Präparate zusammen, die gegen Schädlinge wie Insekten und Mäuse, aber auch gegen Algen, Pilze und Bakterien wirken. Das Einsatzgebiet ist (außerhalb der Landwirtschaft) der häusliche und gewerbliche Bereich.

Biozidwirkstoffe werden EU-weit zugelassen und in einer Positivliste erfasst. Die Zulassung von Präparaten erfolgt dann in den Mitgliedstaaten oder auch EU-weit. Biozide werden je nach Anwendungsbereich in verschiedene Gruppen eingeteilt. In Deutschland sind derzeit etwa 25000 Biozidprodukte auf dem Markt [1,2].

 

"Dual-Use" Substanzen

Für den Bereich der Landwirtschaft werden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe ebenfalls EU-weit zugelassen und in einer Positivliste aufgeführt [3]. Stoffe, die sowohl als Pflanzenschutzmittelwirkstoff als auch als Biozidwirkstoff eingestuft sind werden als "Dual-Use" Substanzen bezeichnet. Für sie gelten die Höchstgehalte in Lebensmitteln, die nach dem Pflanzenschutzrecht festgesetzt sind, unabhängig davon, wie sie in das Lebensmittel gelangt sind [4].

 

Repellent

Der Begriff Repellent wurde vom lateinischen Wort repellere abgeleitet, was soviel wie "vertreiben" oder "zurückstoßen" bedeutet. Repellents werden meist über den Geruch wahrgenommen und vertreiben Stechmücken und Zecken, es gibt jedoch auch Repellents die gegen Säugetiere wie Hunde und Katzen, Wild und Mäuse wirksam sind.

Gegen Stechmücken und Zecken werden Präparate aus den ätherischen Ölen verschiedener Pflanzen eingesetzt, die jedoch häufig nur kurzzeitig wirken, oder synthetische Verbindungen wie DEET oder Icaridin, deren abschreckende Wirkung über mehrere Stunden anhalten kann [5].

 

Wie sind die Stoffe und Befunde toxikologisch zu bewerten?

In Repellents liegen die bioziden Wirkstoffgehalte zwischen 20 und 50 %. Diese werden in der Regel direkt auf die Haut appliziert. Im Fall von DEET wird der Wirkstoff gut über die Haut aufgenommen, bei Icaridin ist die Resorptionsrate niedriger und es gilt generell als hautverträglicher. Die Stoffe und Präparate sind nach der Biozidverordnung [2] überprüft und zugelassen.

Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass der Wirkmechanismus von DEET nicht nur auf geruchlicher Abschreckung beruht, sondern dass er, ähnlich wie einige Insektizide, eine Hemmung des Enzyms Cholinesterase hervorruft und damit die Wirkung von Insektiziden noch verstärken kann [6].

Bei Icaridin gibt es nach neueren Untersuchungen Hinweise darauf, dass schon niedrige Mengen, die in Oberflächengewässer gelangen, Amphibien schädigen könnten [7]. Ob sich diese neueren Untersuchungen bestätigen, oder noch andere Erkenntnisse hinzukommen, bleibt abzuwarten.

Gehalte im Lebensmittel, die nicht im Prozent- sondern im Spurenbereich liegen, sind toxikologisch nicht von großer Relevanz. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009 befasste sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit der DEET-Kontamination von Pfifferlingen aus Osteuropa und beurteilte einen Gehalt von 1 mg/kg als gesundheitlich unbedenklich. Der Sicherheitsabstand bis zu der Menge, bei der im Tierversuch eine schädliche Wirkung einsetzt, wird als bei weitem ausreichend angesehen [8].

 

Infokasten

Grafik: Strukturformel von N,N-Diethyl-m-toluamid.

DEET (Diethyltoluamid)

  • Mitte der 40er Jahre wurde der Wirkstoff von der US-Armee patentiert
  • Wirksam gegen Mücken, Milben, Flöhe, Wanzen, Kriebelmücken und Zecken
  • Wird von der WHO empfohlen, um sich vor Krankheiten, die von Insekten übertragen werden zu schützen (z. B. Malaria, Gelbfieber, Denguefieber)
  • Kann Kunststoff angreifen (z. B. Brillenbügel, Plastikarmbänder, Kunstfasertextilien) [9]

 

Grafik: Strukturformel von Picaridin.

Icaridin (auch Picaridin)

  • Vergleichbare Wirksamkeit wie DEET, da der Wirkstoff erst seit einigen Jahren auf dem Markt ist, gibt es jedoch eine geringere Anzahl an Studien
  • Niedrigere Resorptionsrate als DEET
  • Gilt im Vergleich zu DEET als hautverträglicher
  • Greift Kunststoffe nicht an [10]

 

 

 

Wie sind die Befunde rechtlich zu beurteilen?

Als Biozidwirkstoffe fallen die Wirkstoffe nicht in den Bereich des EU-Rechtes für Pestizide, sie sind keine Dual-Use-Stoffe (siehe Infokasten). Nach nationalem Recht wird jedoch für Schädlingsbekämpfungsmittel, die keine Pflanzenschutzmittel im Sinne des Pflanzenschutzgesetzes sind, für alle Lebensmittel ein allgemeiner Höchstgehalt von 0,01 mg/kg festgesetzt [11].

Jeder Betrieb hat nach § 68 LFGB (Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch) die Möglichkeit eine Ausnahmegenehmigung für einen bestimmten Stoff beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu beantragen. Eine solche Ausnahmegenehmigung gilt nur im Einzelfall und nur für ein konkretes Erzeugnis des Antragstellers. Ausnahmen werden vom BVL geprüft und nur zugelassen, wenn eine Gefährdung der Gesundheit nicht zu erwarten ist [12]. Im Falle von DEET wurden verschiedenen Firmen diverse Ausnahmegenehmigungen beispielsweise für Pfifferlinge, Heidelbeeren, Chillies oder Pinienkerne erteilt. In den Ausnahmegenehmigungen wird nicht nur festgelegt für welchen Betrieb und welches Produkt die Ausnahme gültig ist, sondern auch mit welchen Rückstandsgehalten die Produkte in Verkehr gebracht werden dürfen – der allgemeine Höchstgehalt von 0,01 mg/kg ist demnach für Produkte mit einer Ausnahmegenehmigung nicht gültig.

Tabelle 2 zeigt die Proben auf, die Gehalte an DEET und Icaridin oberhalb des derzeit gültigen Höchstgehalts von 0,01 mg/kg aufwiesen. Mögliche Ausnahmegenehmigungen sind in hierbei nicht berücksichtigt.

 

Tabelle 2: Proben mit Gehalten an DEET und Icaridin über 0,01 mg/kg (CVUAS 2015 bis 2019), nach Probenart sortiert
Probenart
Herkunftsland
Biozidwirkstoff
Gehalt in mg/kg
Jahr
Himbeere
Deutschland
DEET
0,39
2019
Pflaume
Deutschland
DEET
0,12
2018
Heidelbeere
Polen
DEET
0,071
2018
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
2,0
2018
Pfifferling
Tschechien
DEET
1,0
2015
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,59
2016
Pfifferling
Deutschland
DEET
0,57
2018
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,38
2015
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,17
2016
Pfifferling
Weißrussland
DEET
0,14
2017
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,11
2018
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,11
2019
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,081
2016
Pfifferling
Polen
DEET
0,08
2016
Pfifferling
Unbekannt
DEET
0,073
2017
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,072
2016
Pfifferling
Weißrussland
DEET
0,068
2019
Pfifferling
Weißrussland
DEET
0,062
2015
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,061
2015
Pfifferling
Bulgarien
DEET
0,06
2015
Pfifferling
Polen
DEET
0,06
2016
Röhrenpilze
Unbekannt
DEET
0,029
2015
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,028
2016
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,016
2016
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,015
2015
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,014
2016
Pfifferling
Deutschland
DEET
0,013
2016
Pfifferling
Russ. Föderation
DEET
0,012
2018
Steinpilz getrocknet/pulverisiert
Russ. Föderation
DEET
1,2
2019
Pfifferling tiefgefroren
Unbekannt
DEET
0,1
2015
Steinpilz getrocknet/pulverisiert
China
DEET
0,066
2016
Pfifferling tiefgefroren
Unbekannt
DEET
0,032
2016
Steinpilz getrocknet/pulverisiert
Bulgarien
DEET
0,013
2015
Moringatee
Tansania
DEET
0,13
2018
Euphorbiatee
Tansania
DEET
0,11
2018
Erdbeere
Deutschland
Icaridin
0,14
2019
Erdbeere
Spanien
Icaridin
0,024
2018

 

Besonders auffällig ist, dass im Jahr 2019 auch zwei Beerenproben aus Deutschland höhere Gehalte aufweisen: Himbeeren mit 0,39 mg/kg DEET und Erdbeeren mit 0,14 mg/kg Icaridin. Möglicherweise spielen defekte Hubschrauber und die daraus folgende "Schnakenplage" in den Rheinauen hier eine Rolle [13], zumindest wurden beide Proben im Juni 2019 in Baden erhoben.

 

Welche Änderungen der rechtlichen Vorgaben sind geplant?

Die nationale Höchstmenge nach der RHmV steht derzeit in der Diskussion und droht zu kippen. Im EU-Recht sind keine generellen Höchstgehalte für Biozide vorgesehen. Höchstgehalte sollen nur da erlassen werden, wo eine dringende Notwendigkeit z. B. aus Gründen des Gesundheitsschutzes besteht. Für die Verbraucher und die Verbraucherinnen hierzulande, aber auch für die hiesige Lebensmittelwirtschaft und die Lebensmittelüberwachung ist dies – aus unserer Sicht – eine Verschlechterung, geben Grenzwerte doch immer auch Rechtssicherheit.

Im innereuropäischen Handel sollen EU-weit zukünftig sogenannte Referenzwerte gelten, die allerdings rechtlich nicht verbindlich sind. Es gilt eine Vereinbarung, dass Waren, die Gehalte unter den vereinbarten Referenzwerten enthalten, uneingeschränkt in der EU verkehrsfähig sein sollen. Wenn die Konzentrationen der Rückstände die Referenzwerte überschreiten, muss die zuständige Behörde über mögliche Folgemaßnahmen entscheiden [14].

 

Tabelle 3: Referenzwerte für den EU-weiten Handel (SCPAFF 17.09.2018)
Lebensmittel
DEET [mg/kg]
Icaridin [mg/kg]
Pinienkerne
0,5
-
Beeren und kleine Früchte mit Ausnahme von Tafeltrauben
0,1
-
Wildpilze
1,0
0,05
Kräutertees aus Blüten und Blättern
0,3
0,5
Gewürze
0,5
-

 

Auch wenn Fremdstoffe toxikologisch als unbedenklich eingestuft sind, so sind sie dennoch in unserer Nahrung grundsätzlich unerwünscht und sollten so weit als möglich vermieden oder reduziert werden (ALARA-Prinzip, "as low as reasonably achievable", siehe Infokasten). Doch was ist möglich?

 

Infokasten

Kontaminanten

Kontaminanten sind unerwünschte Stoffe, die einem Lebensmittel nicht absichtlich hinzugefügt werden, jedoch infolge einer Verunreinigung durch die Umwelt oder als Rückstand zum Beispiel im Zuge der Gewinnung, Fertigung, Verarbeitung, Zubereitung im Lebensmittel vorhanden sind. Viele Stoffe sind durch ihre Anwendung in der Industrie (z. B. PCBs, Schwermetalle) oder als nicht beabsichtigte Nebenprodukte (z. B. Dioxine) in die Umwelt gelangt und können je nach ihren Eigenschaften in oder auf Lebensmitteln vorhanden sein oder sogar angereichert werden. Andere unerwünschte Stoffe entstehen, wenn Lebensmittel nicht fachgerecht hergestellt oder behandelt werden (z. B. PAKs, Nitrosamine) oder die Wachstums- oder Erntebedingungen nicht angemessen sind (z. B. PAKs, Nitrosamine, Pilz- und Bakterientoxine).

Für Kontaminanten gilt generell ein Minimierungsgebot, festgelegt in der Verordnung (EWG) Nr. 315/93. Der Gehalt an Kontaminanten in Lebensmitteln soll danach auf so niedrige Werte wie vernünftigerweise möglich begrenzt werden, gemäß dem ALARA-Prinzip: "as low as reasonably achievable". Lebensmittel, die Kontaminanten in gesundheitlich nicht vertretbaren Mengen enthalten, dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden. Für Kontaminanten, die nach derzeitigem Kenntnisstand ein Verbraucherrisiko darstellen können, sehen u. a. die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 sowie die nationale Kontaminanten-Verordnung vom 19.03.2010 Höchstgehalte vor.

 

Ein Laborversuch: mit welcher Kontamination ist zu rechnen?

In einem kleinen Laborversuch wollten wir feststellen, was bei sachgerechter und unsachgerechter Anwendung eines Repellents mit DEET als Wirkstoff auf eine Lebensmittelprobe übergehen kann.

Dazu teilten wir eine Probe Heidelbeeren in 6 Teile (jeweils 500 g) und behandelten diese wie folgt:

  • Keine Behandlung
  • Einsprühen der Unterarme und Handrücken ohne verreiben
  • Einsprühen der Unterarme und Handrücken ohne verreiben und 30 Minuten Einwirkzeit
  • Einsprühen der Unterarme und Handrücken ohne verreiben, die Probe steht beim Einsprühen in unmittelbarer Nähe
  • Einsprühen der Unterarme und Handrücken und mit den Händen verreiben
  • Einsprühen der Unterarme und Handrücken und mit den Händen verreiben und Hände waschen

 

Foto: Hände mit einer Portion Heidelbeeren.

 

Das Einsprühen der Unterarme und Handrücken erfolgte mit einem Biozidspray gegen Stechmücken und Zecken (30 % DEET) nach Gebrauchsanweisung (Zwei Pumpenstöße für eine handflächengroße Fläche). Die Probe ohne Behandlung wurde direkt tiefgefroren; bei den restlichen Teilproben wurde jede Beere mit den Händen angefasst, anschließend ebenfalls tiefgefroren und analysiert. Das Ergebnis des Versuches zeigt Tabelle 4.

 

Tabelle 4: Kontamination von Heidelbeeren mit DEET nach einem Laborversuch CVUA Stuttgart 2019, verschiedene Applikation eines Biozidpräparates mit 30 % DEET
Probenvorbehandlung
DEET [mg/kg]
1. unbehandelt
0,00
2. einsprühen* ohne verreiben
0,47
3. einsprühen* ohne verreiben mit 30 min Einwirkzeit
0,30
4. einsprühen* ohne verreiben, Probe steht daneben
7,3
5. einsprühen* mit verreiben
27,8
6. einsprühen* mit verreiben und Hände waschen
0,15

*eingesprüht wurden jeweils die Unterarme und Handrücken mit 2 Pumpstößen für eine handflächengroße Fläche; nach Behandlung wurde jede Heidelbeere angefasst

 

Auch wenn es sich bei dem Versuch nur um einen Modellversuch handelt, der bei anderen Bedingungen wie z. B. Windbedingungen in anderen Gehalten resultieren kann, so zeigen sich dennoch deutliche Trends. Wurde das Biozidprodukt auf den Unterarmen mit den Händen verrieben, so wurden 27,8 mg DEET/kg Heidelbeeren und damit mit Abstand der höchste Gehalt in unserem Versuch, nachgewiesen. Wäscht man sich nach dem verreiben die Hände, so sinkt der nachgewiesene Gehalt in unserem Versuch deutlich auf 0,15 mg/kg. Auch ein zeitlicher Abstand zwischen dem Einsprühen und dem Anfassen der Heidelbeeren resultiert in einem geringeren Gehalt (Vergleich Tabelle 4 Probenbehandlung 2. und 3.). Steht die Probe in unmittelbarer Nähe zu dem Einsprühenden, so gehen mit 7,3 mg/kg recht hohe Gehalte auf das Lebensmittel über. Dies ist bei einem Biozidprodukt mit einer Konzentration von 30 % DEET wenig verwunderlich und kann je nach Abstand und Windrichtung auch geringere oder höhere Gehalte an DEET im Lebensmittel verursachen.

 

Abbildung 1: Kontamination von Heidelbeeren mit DEET nach einem Laborversuch CVUA Stuttgart 2019, verschiedene Applikation eines Biozidpräparates mit 30 % DEET.

 

Abbildung 1: Kontamination von Heidelbeeren mit DEET nach einem Laborversuch CVUA Stuttgart 2019, verschiedene Applikation eines Biozidpräparates mit 30 % DEET


Der Versuch zeigt, dass es durch das Einsprühen mit einem Repellent und das Anfassen der Lebensmittel durchaus zu vergleichbaren Werten zu den gemessenen Gehalten in den amtlichen Proben (Tabelle 2) kommen kann. Extreme Anwendungen wie das Einsprühen in der Nähe des Lebensmittels oder durch das Verreiben des Biozidproduktes auf der Haut führen zu deutlich höheren Gehalten.

 

Unser Fazit

Immer wieder werden bei Lebensmitteln, die von Hand gepflückt werden, Rückstände an DEET oder Icaridin festgestellt. Die Rückstände resultieren in der Regel aus einer Kontamination der Lebensmittel durch den Kontakt mit der Haut der Pflücker, die sich mit einem Repellent eingesprüht haben. Sowohl DEET, als auch Icaridin sind wirksame Biozidwirkstoffe gegen Stechmücken und Zecken und werden v. a. in Gegenden empfohlen, wo eine Übertragung von Krankheiten durch Insekten wie beispielsweise Malaria oder Denguefieber möglich ist.

 

Jetzt zum Beginn der Herbstsaison: Hinweise für alle Pilze- und Blaubeerensammler

Bei der Anwendung der Repellents sollte die Gebrauchsanweisung beachtet werden. Neben Repellents mit synthetischen Wirkstoffen gibt es auch Insektensprays auf Basis von ätherischen Ölen, deren Wirkdauer jedoch deutlich kürzer ist. Vor Mückenstichen schützt auch weite, abgeschlossene, helle Kleidung. Unser Laborversuch zeigt, dass insbesondere beim Umgang mit Lebensmitteln bei bzw. nach Anwendung eines Repellents auf ein paar Dinge geachtet werden sollte, um eine Kontamination des Lebensmittels zu minimieren:
Waschen Sie sich die Hände nach der Anwendung eines Biozidproduktes; sprühen Sie sich nicht direkt vor dem Umgang mit Lebensmitteln ein und achten Sie darauf, dass keine Lebensmittel in der Nähe sind wenn Sie sich einsprühen.

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart, Pestizidlabor

 

Quellen

[1] Umweltbundesamt, Thema Biozide

[2] Verordnung (EU) Nr. 528/2012 "Biozidverordnung", in Kraft seit Juli 2012

[3] European Commission > Food Safety > Plants > Pesticides > Pesticides Database > Search Active Substances

 

[4] European Commission > Food Safety > Plants > Pesticides > Pesticides Database > Home

[5] Stiftung Warentest Heft Mai 2017, S. 70ff, Fastenzeit für Blutsauger

[6] Vincent Corbel et al., BMC Biology 7 (2009) Article number 47

[7] https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsbl.2018.0526

[8] Stellungnahme Nr.034/2009 des BfR vom 31. August 2009

[9] Tropenfit.de: DEET (N,N-Diethyl-3-Methylbenzamin, früher N,N-Diethyl-M-Toluamid)

[10] Tropenfit.de: Icaridin (auch Picaridin oder Bayrepel)

[11] Rückstandshöchstmengenverordnung - RHmV vom 1.9.1994

[12] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Ausnahmegenehmigungen nach § 68 LFGB

[13] SWR3: Schnaken-Alarm am Rhein zwischen Rastatt und Mainz – Hilfe naht

[14] Summary Report of the Standing Committee on Plants, Animals, Food and Feed held in Brussels on 17 September 2018

 

Anhang

Anlage 1: Zusammenstellung aller DEET Befunde, aufgeführt sind nur Lebensmittel, bei denen mindestens 1 Probe positiv war (CVUA S 2015 bis 2019)
Obergruppe Lebensmittel
Anzahl Proben
davon positiv DEET
Mittelwert in mg/kg
Maximum in mg/kg
Minimum in mg/kg
Beerenobst Erdbeere
382
1
 
0,009
 
Heidelbeere
99
2
0,041
0,071
0,01
Himbeere
92
4
0,099
0,39
0,001
Moosbeere
3
1
 
0,001
 
Preiselbeere
1
1
 
0,005
 
Stachelbeere
46
4
0,005
0,007
0,002
Tafelweintraube
351
1
 
0,003
 
Zitrusfürchte Clementine
85
2
0,002
0,002
0,001
Exotische Fürchte Mango
144
1
 
0,001
 
Fruchtgemüse Gemüsepaprika
336
4
0,005
0,01
0,002
Kürbis
42
1
 
0,002
 
Melone
166
1
 
0,002
 
Tomate
380
2
0,002
0,002
0,001
Zucchini
144
2
0,002
0,002
0,001
Blattgemüse Basilikum
44
2
0,003
0,004
0,001
Bleichsellerie
28
1
 
0,002
 
Kopfsalat
183
4
0,004
0,009
0,002
Lollo
52
2
0,007
0,007
0,007
Mangold
24
1
 
0,004
 
Petersilienbätter
111
1
 
0,002
 
Weißkohl
76
1
 
0,001
 
Kernobst Apfel
291
1
 
0,001
 
Wurzelgemüse Ingwer
38
1
 
0,001
 
Mohrrübe
91
1
 
0,001
 
Radieschen
107
1
 
0,003
 
Sprossgemüse Fenchel
41
1
 
0,006
 
Steinobst Aprikose
117
1
 
0,01
 
Nektarine
106
1
 
0,004
 
Pfirsich
83
1
 
0,002
 
Pflaume
248
1
 
0,12
 
Obsterzeugnisse Feige getrocknet
3
1
 
0,006
 
Gojibeere getrocknet
4
1
 
0,006
 
Heidelbeere tiefgefroren
10
1
 
0,002
 
Pflaume getrocknet
8
1
 
0,001
 
Preiselbeere tiefgefroren
11
2
0,005
0,005
0,004
Sauerkirsche tiefgefroren
13
1
 
0,01
 
Gemüseerzeugnisse Fruchtgemüse getrocknet
1
1
 
0,002
 
Gemüseerzeugnisse
5
2
0,007
0,01
0,003
Weinblätter Konserve
1
1
 
0,001
 
Weinblätter vor- und zubereitet in Lake
22
2
0,006
0,006
0,001
Gewürze Gewürze
89
3
0,003
0,005
0,002
Tee und teeähnliche Erzeugnisse Hibiskusblütentee
3
1
 
0,005
 
Lindenblütentee
1
1
 
0,005
 
Teeähnliche Erzeugnisse
6
4
0,063
0,13
0,003
Tees unfermentierte
10
2
0,004
0,005
0,003
Pilze und Pilzerzeugnisse Pilzmischungen, getrocknet
2
1
 
0,007
 
Wildpilze
58
38
0,154
2
0,001
Wildpilze getrocknete
40
10
0,132
1,2
0,003
Wildpilze tiefgefrorene
9
6
0,025
0,1
0,002

 

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Bericht erschienen am 16.09.2019 11:32:54