Rückstände und Kontaminanten in Frischgemüse aus konventionellem Anbau 2023

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Florian Hägele, Kathi Hacker und Ellen Scherbaum

 

Zusammenfassung

Im Vergleich zu den Vorjahren bleibt die Pestizidbelastung von frischem Gemüse aus konventionellem Anbau auch in 2023 weitgehend unverändert. 5 % der untersuchten Proben wiesen eine oder mehrere Höchstgehaltsüberschreitungen auf. Abgesehen von einer Probe Porree, waren die nachgewiesenen Pestizidgehalte gesundheitlich unbedenklich. Unser Tipp generell: Waschen Sie Gemüse vor dem Verzehr mit warmem Wasser ab, ein Teil der Rückstände lässt sich so entfernen.

 

Schmuckelement.

Überblick

Das CVUA Stuttgart hat im Jahr 2023 insgesamt 851 Proben Frischgemüse aus konventionellem Anbau auf Rückstände von über 700 verschiedenen Pestiziden, Pestizidmetaboliten sowie Kontaminanten untersucht (über 1300 Stoffe inklusive Screening-Methoden). 768 dieser Proben (90 %) wiesen Rückstände von insgesamt 235 verschiedenen Pestizid-Wirkstoffen auf, siehe Anlage 3 (2022: 232, 2021: 229, 2020: 219, 2019: 226). Insgesamt wurden 4109 Rückstände quantifiziert (gemäß den gesetzlichen Rückstandsdefinitionen, siehe auch Anlage 4). Bei 41 Gemüseproben (5 %) wurden Rückstände über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt festgestellt (siehe Tabelle 1).

 

Im Vergleich zu Jahren 2015 bis 2019, in denen die Beanstandungsquoten vergleichsweise hoch waren (2022: 5 %, 2021: 7 %, 2020: 5 %, 2019: 18 %, 2018: 21 %, 2015, 2016 und 2017: 16 %), liegt die Zahl der beanstandeten Proben in 2023 gleich wie in den Jahren 2020 bis 2022, und damit deutlich niedriger als in den Jahren davor. Ursächlich hierfür ist die Neufestlegung von Rückstandshöchstgehalten für das polare Pestizid Chlorat in 2020 von einem pauschalen Standardhöchstgehalt von 0,01 mg/kg Probe hin zu, in der Regel höheren, spezifischen Rückstandshöchstgehalten. In 2023 wurde in keiner Probe ein Chlorat-Gehalt über dem neuen spezifischen Grenzwert festgestellt, wohingegen in 2019 noch insgesamt 129 Gemüseproben aus konventionellem Anbau den ehemals geltenden, pauschalen Höchstgehalt von Chlorat in Höhe von 0,01 mg/kg Probe überschritten.

 

Werden formale Beanstandungen von Chlorat in den Vorjahren nicht berücksichtigt (Beanstandungsquote aufgrund von Höchstgehaltsüberschreitungen ohne Chlorat in 2019: 4,9 %, 2018: 5,1 %; 2017: 4,6 %), so stellt sich die Beanstandungsquote in 2023 vergleichbar dazu dar und verbleibt auf einem über die Jahre hinweg konstanten Niveau von etwa 5 %.

 

Ergebnisse im Detail

Alle Proben wurden routinemäßig mit der QuEChERS-Multi-Methode und mit der QuPPe-Methode (für sehr polare Stoffe) auf ca. 700 Stoffe untersucht (über 1300 Stoffe inklusive Screening Methoden). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die untersuchten Proben Frischgemüse aufgeschlüsselt nach dem Herkunftsgebiet.

 

Tabelle 1: Rückstände an Pestiziden in Gemüseproben aus konventionellem Anbau differenziert nach Herkunft (CVUAS 2023)
Frischgemüse
Proben Inland
Proben anderer EU-Länder
Proben Drittländer
Proben unbekannter Herkunft
Proben Gesamt
Anzahl Proben
390
299
126
36
851
davon mit Rückständen
340 (87 %)
279 (93 %)
115 (91 %)
34 (94 %)
768 (90 %)
Proben über Höchstgehalt
13 (3 %)
7 (2 %)
19 (15 %)
2 (6 %)
41 (5 %)
mittlerer Pestizidgehalt (mg/kg)
0,95
1,1
1,6
0,43
1,1
mittlerer Pestizidgehalt ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe) (mg/kg)*
0,27
0,88
0,29
0,24
0,49
Durchschnittliche Anzahl der Stoffe pro Probe
3,3
5,4
5,6
4,2
4,4

* Aufgrund der durchschnittlich vergleichsweise hohen Fosetyl- (Summe) und Bromid-Rückstände wird der mittlere Pestizidgehalt pro Probe stark beeinflusst. Deswegen wird der mittlere Pestizidgehalt pro Probe auch ohne Fosetyl (Summe) und Bromid angegeben.

 

Die Proben kamen aus mindestens 29 verschiedenen Herkunftsländern, wobei die Mehrzahl aus Deutschland (390), Spanien (139), Italien (60), den Niederlanden (54), der Türkei (51) und Marokko (42) stammten. Bei 36 Proben war die Herkunft nicht bekannt.

 

Beim Vergleich der Anzahl an Stoffe pro Probe muss berücksichtigt werden, dass die einzelnen Kulturen in den verschiedenen klimatischen Zonen einem unterschiedlich starken Schädlingsdruck ausgesetzt sind. Entsprechend individuell und unterschiedlich sind somit auch die erforderlichen Pflanzenschutzmaßnahmen. Im Schnitt wurden 4,4 verschiedene Wirkstoffe pro Probe nachgewiesen, wobei deutsche Proben mit 3,3 Wirkstoffen pro Probe am besten abschnitten. Der mittlere Pestizidgehalt lag bei den untersuchten Gemüseproben bei 0,49 mg/kg (ohne Bromid und Fosetyl (Summe)). Für inländische Proben lag der mittlere Pestizidgehalt (ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe)) mit 0,27 mg/kg deutlich niedriger.

 

Betrachtet man die Herkunftsländer mit der höchsten Quote an Überschreitungen genauer, so zeigt sich, dass die Länder mit den Überschreitungsquoten > 5 % Drittländer sind (siehe Tabelle 2).

 

Tabelle 2: Überschreitungen von Höchstgehalten in Gemüseproben aus konventionellem Anbau, Probenzahlen pro Land ≥ 5 (CVUAS 2023)
Land
Länderkategorie
Probenzahl
Proben > Höchstgehalt (%)
China
Drittland
5
1 (20 %)
Türkei
Drittland
51
8 (16 %)
Marokko
Drittland
42
3 (7,1 %)
Deutschland
Inland
390
13 (3,3 %)
Italien
EU-Land
60
2 (3,3 %)
Niederlande
EU-Land
54
1 (1,9 %)
Spanien
EU-Land
139
4 (2,9 %)
Belgien
EU-Land
17
-
Frankreich
EU-Land
16
-
Ungarn
EU-Land
8
-

 

Infokasten

Rückstandshöchstgehalte

Rückstandshöchstgehalte sind keine toxikologischen Endpunkte oder toxikologische Grenzwerte. Sie werden aus Rückstandsversuchen abgeleitet, die unter realistischen Bedingungen durchgeführt werden. Danach erfolgt eine Gegenüberstellung der zu erwartenden Rückstände mit den toxikologischen Grenzwerten, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit bei lebenslanger und ggf. einmaliger Aufnahme sicherzustellen.

 

Rückstandshöchstgehalte regeln den Handel und dürfen nicht überschritten werden. Ein Lebensmittel mit Rückständen über dem Rückstandshöchstgehalt ist nicht verkehrsfähig, darf also nicht verkauft werden. Nicht jede Überschreitung von Rückstandshöchstgehalten geht jedoch mit einem gesundheitlichen Risiko einher. Hier ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich.

 

BVL-Broschüre, Pflanzenschutzmittel – sorgfältig geprüft, verantwortungsvoll zugelassen, Mai 2022

 

Nur eine der in 2023 untersuchten Gemüseproben aus konventionellem Anbau wies Gehalte auf, die bei der Anwendung des EFSA PRIMo-Modells der EU eine Ausschöpfung der ARfD über 100 % ergab: Porree aus den Niederlanden mit Nikotin-Rückständen. Die Probe wurde als für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet und damit nicht sicher (i. S. von Artikel 14 Abs. 2 b VO (EG) Nr. 178/2002) beurteilt.

 

Infokasten

Akute Referenzdosis (Acute Reference Dose, ARfD)

Zur Bewertung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen, die eine hohe akute Toxizität aufweisen und schon bei einmaliger oder kurzzeitiger Aufnahme gesundheitsschädliche Wirkungen auslösen können, eignet sich der ADI-Wert (acceptable daily intake) nur eingeschränkt. Da er aus längerfristigen Studien abgeleitet wird, charakterisiert er eine akute Gefährdung durch Rückstände in der Nahrung möglicherweise unzureichend. Deshalb wurde neben dem ADI-Wert ein weiterer Expositionsgrenzwert eingeführt, die sogenannte akute Referenzdosis (acute reference dose, ARfD). Die Weltgesundheitsorganisation hat die ARfD als diejenige Substanzmenge definiert, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein erkennbares Gesundheitsrisiko für den Verbraucher resultiert. Anders als der ADI- wird der ARfD-Wert nicht für jedes Pflanzenschutzmittel festgelegt, sondern nur für solche Wirkstoffe, die in ausreichender Menge geeignet sind, schon bei einmaliger Exposition die Gesundheit zu schädigen.

 

» EU Pesticides database

» EFSA calculation model Pesticide Residue Intake Model “PRIMo”– revision 3.1

 

In den Tabellen 3 bis 7 sind die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen bei Gemüse differenziert nach Gemüsesorten aufgeführt. Anlage 1 listet die Höchstgehaltsüberschreitungen in konventionell erzeugtem Frischgemüse auf, Anlage 2 und 3 zeigen die Häufigkeitsverteilung der nachgewiesenen Wirkstoffe.

 

Tabelle 3: Rückstände in Gemüseproben aus konventionellem Anbau differenziert nach Sorten (CVUAS 2023)
Matrix
Anzahl Proben 
Proben mit Rückständen
Proben mit Mehrfach­rück­ständen
Proben > Höchstgehalt
Anzahl Befunde > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt*
Blattgemüse
293
279 (95 %)
251 (86 %)
15 (5 %)
17
Nikotin (5x); Deltamethrin (2x); BAC (n=8‑18) (2x); DDAC (n=8-12) (2x); Fosetyl, Summe; Fenazaquin; Pyraclostrobin; Pyridat, Summe; Lambda-Cyhalothrin; 1,4-Dimethylnaphthalin
Fruchtgemüse
378
345 (91 %)
286 (76 %)
19 (5 %)
21
Chlorthalonil (5x); Flonicamid, Summe (4x); 4-CPA (3x); Spirodiclofen; Fosetyl, Summe; Chlorpyrifos; Etoxazol; Spinosad; Cyromazin; Meptyldinocap, Summe; Tebufenpyrad; Propineb ber. als Propilendiamin
Sprossgemüse
104
83 (80 %)
52 (50 %)
5 (5 %)
5
Chlorpropham (2x); Fosetyl, Summe; Flonicamid, Summe; Chlormequatchlorid, Summe
Wurzelgemüse
76
71 (93 %)
61 (80 %)
2 (3 %)
2
Tau-Fluvalinat; Nikotin
SUMME
851
768 (90 %)
650 (76 %)
41 (5 %)
45
 

* einzelne Proben enthielten mehr als nur einen Stoff über dem Höchstgehalt

 

Darstellung der Ergebnisse für die einzelnen Gemüsesorten

Blattgemüse enthielt im Mittel 5,2 verschiedene Wirkstoffe und wies mit 1,0 mg Pestizidrückstände pro kg (mittlerer Pestizidgehalt ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe)) den höchsten Rückstandsgehalt von allen Gemüsesorten auf. Besonders Kräuter und Salate enthalten häufiger zahlreiche Pestizide und auch höhere Gehalte. Ursächlich dafür ist, dass bei Blattgemüse einerseits die Pestizidwirkstoffe direkt auf die Pflanzenteile angewandt werden, die letztendlich auch verzehrt werden, und andererseits Blattgemüse häufig eine große Oberfläche aufweist (z. B. krause Petersilie) was generell höhere Pestizidgehalte begünstigt.

 

Tabelle 4: Rückstände in Blattgemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrix
Anzahl Proben
Proben mit Rückständen*
Proben mit Mehrfach­rück­ständen*
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt**
Basilikum
2
2
1
-
-
Bleichsellerie
1
1
1
-
-
Chicoree
6
6 (100 %)
4 (67 %)
-
-
Chinakohl
5
4 (80 %)
3 (60 %)
-
-
Dill
6
6 (100 %)
6 (100 %)
-
-
Eichblattsalat
6
6 (100 %)
6 (100 %)
-
-
Eisbergsalat
35
32 (91 %)
30 (86 %)
-
-
Endivie
17
17 (100 %)
17 (100 %)
2 (12 %)
BAC (n = 8–18); Deltamethrin
Feldsalat
22
22 (100 %)
20 (91 %)
1 (5 %)
Nikotin
Grünkohl
1
1
1
-
-
Kopfsalat
14
13 (93 %)
12 (86 %)
-
-
Koriander
1
1
1
-
-
Lauchzwiebel
3
3
3
1
Fosetyl, Summe
Lollo
7
6 (86 %)
5 (71 %)
-
-
Löwenzahn
1
1
1
-
-
Mangold
2
2
1
-
-
Minze
9
9 (100 %)
9 (100 %)
4 (44 %)
DDAC (n = 8–12); Deltamethrin; Fenazaquin; Lambda-Cyhalothrin; Pyridat, Summe
Pak-Choi
6
6 (100 %)
6 (100 %)
-
-
Petersilienblätter
29
29 (100 %)
29 (100 %)
1 (3 %)
Pyraclostrobin
Porree
25
24 (96 %)
22 (88 %)
1 (4 %)
Nikotin
Radiccio
3
3
2
-
-
Römischer Salat
10
10 (100 %)
10 (100 %)
-
-
Rosenkohl
12
12 (100 %)
12 (100 %)
-
 
Rosmarin
1
1
1
-
 
Rotkohl
15
13 (87 %)
8 (53 %)
-
 
Rucola
12
12 (100 %)
12 (100 %)
2 (17 %)
BAC (n = 8–18); DDAC (n = 8–12); Nikotin
Schnittlauch
6
6 (100 %)
4 (67 %)
-
-
Spinat
11
11 (100 %)
8 (73 %)
2 (18 %)
Nikotin (2x)
Thymian
1
1
1 (100 %)
-
 
Weißkohl
21
16 (76 %)
12 (57 %)
-
-
Wirsingkohl
3
3
3
1
1,4-Dimethylnaphthalin
SUMME
359
322 (90 %)
282 (79 % )
18 (5 %)
 

* Bei Probenzahl unter 5 keine prozentuale Angabe
** einzelne Proben enthielten mehr als nur einen Stoff über dem Höchstgehalt

 

Die Mehrzahl der Höchstgehaltüberschreitungen bei Blattgemüse betraf die Wirkstoffe Nikotin, Deltamethrin, DDAC (n = 8–12) und BAC (n = 8–18).

 

Fruchtgemüse enthielt im Mittel 4,4 verschiedene Wirkstoffe, aber nur 0,19 mg Pestizidrückstände pro kg Probe (mittlerer Pestizidgehalt ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe)), d. h. die nachgewiesenen Stoffe sind zwar häufig, aber nur in kleineren Konzentrationen vorhanden. Dies lässt nicht zwangsläufig darauf schließen, dass Fruchtgemüse während der Vegetation weniger häufig oder in kleineren Konzentrationen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wird als andere Gemüsearten, vielmehr werden viele Gemüsesorten nach der Ernte gewaschen und so von an der Oberfläche anhaftende Rückstände befreit. In den letzten Jahren wurde die Nacherntebehandlung zunehmend automatisiert und hat sich weit verbreitet.

 

Erzeugnisse aus der Türkei waren wie im Vorjahr am auffälligsten: 8 von 48 Erzeugnisse aus der Türkei (17 %) wurden beanstandet. Es handelte sich hauptsächlich um Paprika (3x), Zucchini (2x), Tomaten, Peperoni und grüne Bohnen.

 

Infokasten

Was sind Melonen, Obst oder Gemüse?

Vielleicht sind Sie überrascht die Melonen hier in der Auswertung für Gemüse zu finden. Was ist denn der Unterschied?

Obst wird häufig in rohem Zustand verzehrt, ist zucker- und säurereich und in reifem Zustand weich und leicht zu kauen. Es handelt sich überwiegend um die Früchte mehrjähriger holziger Gewächse.

Gemüse sind essbare Teile einjähriger krautiger Pflanzen. Man unterscheidet je nachdem welcher Teil verzehrt wird zwischen Blattgemüse, Fruchtgemüse, Sprossgemüse und Wurzelgemüse. Gemüse werden häufig in gekochtem Zustand verzehrt. Sie enthalten in der Regel wenig Zucker und Säure und sind zum Teil sehr fest.

Melonen gehören zu den Kürbisgewächsen, sind also ein Fruchtgemüse, allerdings untypisch süß und weich, so dass sie wie Obst verwendet werden.

 

Tabelle 5: Rückstände in Fruchtgemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrix
Anzahl Proben
Proben mit Rückständen*
Proben mit Mehrfach­rück­ständen*
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt**
Aubergine
30
27 (90 %)
19 (63 %)
-
 
Bittergurke
1
1
1
1
Spinosad
Bohne grüne
28
23 (82 %)
20 (71 %)
2 (7 %)
Fosetyl, Summe; Spirodiclofen
Chilischote
1
1
-
-
 
Erbse mit Schote
1
1
1
-
 
Gemüsepaprika
91
88 (97 %)
75 (82 %)
4 (4 %)
Cyromazin; Etoxazol; Flonicamid, Summe; Meptyldinocap, Summe
Gurke
53
49 (93 %)
46 (87 %)
2 (4 %)
Flonicamid, Summe (2x); Chlorpyrifos
Kürbis
15
9 (60 %)
3 (20 %)
-
 
Melone
27
24 (89 %)
21 (78 %)
4 (15 %)
Chlorthalonil (2x); Flonicamid, Summe; Propineb ber. als Propilendiamin
Okraschote
3
3
1
-
 
Peperoni
9
9 (100 %)
9 (100 %)
1 (11 %)
Tebufenpyrad
Tomate
76
66 (87)
59 (78 %)
1 (1 %)
Chlorthalonil
Zucchini
41
33 (80 %)
30 (73 %)
3 (7 %)
4-CPA (3x); Chlorthalonil
Zuckermais
1
-
-
-
 
SUMME
374
334 (89 %)
285 (76 %)
20 (5 %)
 

* Bei Probenzahl unter 5 keine prozentuale Angabe
** einzelne Proben enthielten mehr als nur einen Stoff über dem Höchstgehalt

 

Sprossgemüse enthielt im Mittel 2,3 verschiedene Wirkstoffe und 0,32 mg Pestizidrückstände pro kg Probe (mittlerer Pestizidgehalt ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe)). Berücksichtigt man auch die Bromid- und Fosetyl (Summe)-Gehalte, so lag der mittlere Pestizidgehalt bei 1,4 mg/kg.

 

Tabelle 6: Rückstände in Sprossgemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrix
Anzahl Proben
Proben mit Rückständen*
Proben mit Mehrfach­rück­ständen*
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt
Blumenkohl
17
9
5 (29 %)
-
 
Broccoli
6
5 (83 %)
4 (67 %)
-
 
Stängelkohl
1
1
1
-
 
Fenchel
3
3
3
-
 
Knoblauch
10
7 (70 %)
6 (60 %)
1 (10 %)
Chlormequatchlorid, Summe
Kohlrabi
18
12 (67 %)
7 (39 %)
-
 
Mungobohnenkeimling
1
1
-
-
 
Romanesco
1
1
1
1
Flonicamid, Summe
Schalotte
1
1
1
 
 
Sojakeimling
2
2
1
-
 
Spargel
25
25 (100 %)
9 (36 %)
-
 
Zwiebel
19
16 (84 %)
14 (74 %)
3 (16) %
Chlorpropham (2x); Fosetyl, Summe
SUMME
104
83 (80 %)
52 (50 %)
5 (5 %)
 

* Bei Probenzahl unter 5 keine prozentuale Angabe

 

Wurzelgemüse enthielt im Mittel 4,2 Wirkstoffe pro Probe und vergleichsweise geringe Pestizidrückstände von 0,053 mg pro kg Probe (mittlerer Pestizidgehalt ohne Bromid und ohne Fosetyl (Summe)), d. h. die festgestellten Stoffe waren häufig nur in Spuren vorhanden.

 

Tabelle 7: Rückstände in Wurzelgemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrix
Anzahl Proben
Proben mit Rückständen*
Proben mit Mehrfach­rück­ständen*
Proben > Höchstgehalt
Stoffe über dem Höchstgehalt
Ingwer
7
5 (71 %)
2 (29 %)
1 (14 %)
Nikotin
Knollensellerie
6
6 (100 %)
6 (100 %)
-
 
Mohrrübe
40
38 (95 %)
35 (88 %)
-
 
Petersilienwurzel
3
3
3
-
 
Radieschen
11
11 (100 %)
10 (91 %)
1 (9 %)
Tau-Fluvalinat
Rettich
5
4 (80 %)
2 (40 %)
-
 
Rote Bete
4
4
3 (75 %)
-
 
SUMME
76
82 (94 %)
61 (80 %)
2 (3 %)
 

* Bei Probenzahl unter 5 keine prozentuale Angabe

 

Mehrfachrückstände

Rückstände mehrerer Pestizide waren auch im Jahr 2023 bei Gemüse sehr häufig nachweisbar: 650 Gemüseproben (76 %) wiesen Mehrfachrückstände auf. Die Rückstandsbefunde sind sehr stark von den untersuchten Proben und deren Herkunft abhängig. Da jedes Jahr andere Schwerpunkte gesetzt werden oder risikoorientiert bestimmte aktuelle Fragestellungen bearbeitet werden, sind die Ergebnisse eines Jahres als nicht repräsentativ anzusehen, und somit nur bedingt vergleichbar.

 

Infokasten

Mehrfachrückstände

Wird in oder auf einem Lebensmittel gleichzeitig mehr als ein Pflanzenschutzmittelwirkstoff nachgewiesen, spricht man von Mehrfachrückständen. Für das Auftreten dieser Mehrfachrückstände ist grundsätzlich eine Vielzahl von Ursachen denkbar. Neben der Anwendung unterschiedlicher Wirkstoffe während der Wachstumsphase zur Bekämpfung verschiedener Schadorganismen können sie beispielsweise auf die Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen oder einen gezielten Wirkstoffwechsel zur Vermeidung der Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern zurückzuführen sein. Auch während der Lagerung und/oder beim Transport ist eine weitere Anwendung bzw. eine Übertragung von kontaminierten Transportbehältern oder Förderbändern möglich. Geringe Wirkstoffrückstände können von vorangegangenen Anwendungen oder durch Abdrift bei Pflanzenschutzmaßnahmen von benachbarten Feldern stammen. Des Weiteren setzen sich manche Proben aus Partien von verschiedenen Erzeugern zusammen, die unterschiedliche Wirkstoffe angewendet haben. Darüber hinaus kann auch eine nicht ausreichende Umsetzung der guten landwirtschaftlichen Praxis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht immer ausgeschlossen werden.

 

Quelle: BVL Hintergrundinformation: Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln in und auf Lebensmitteln

 

Einzelne Stoffe mit Besonderheiten

Phosphonsäure und Fosetyl

Rückstände an Phosphonsäure können als Folge der Anwendung der fungiziden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe Fosetyl und Salze der Phosphonsäure (in Deutschland im Obst- und Gemüsebau, z. B. bei Gurke, Salaten, Paprika und frischen Kräutern zugelassen) sowie aus früheren Anwendungen von Pflanzenstärkungsmitteln (sog. Blattdünger) auftreten.

 

Als gesetzlicher Höchstgehalt ist für den Wirkstoff Phosphonsäure ein Summenhöchstgehalt mit Fosetyl-Al (Summe aus Fosetyl und Phosphonsäure und deren Salzen, ausgedrückt als Fosetyl) festgesetzt. In Gemüseproben wurde Phosphonsäure in 92 Proben, das entspricht 11 % aller untersuchten Gemüseproben, mit Gehalten bis zu 41,9 mg/kg Phosphonsäure (entspricht 56,3 mg Fosetyl, Summe) nachgewiesen. In lediglich zwei Proben wurde der Wirkstoff Fosetyl selbst nachgewiesen (Gurke, Melone). Drei Proben wurden wegen einer Überschreitung des Höchstgehaltes beanstandet (siehe Anlage 1). Aufgrund der vergleichsweise hohen Rückstände an Phosphonsäure bzw. Fosetyl (Summe) wird der mittlere Pestizidgehalt pro Probe stark beeinflusst. In Tabelle 1 wird der mittlere Pestizidgehalt pro Probe deshalb auch ohne Fosetyl (Summe) angegeben.

 

Infokasten

Phosphonsäure und Fosetyl

Sowohl Fosetyl als auch Phosphonsäure sind in der EU zugelassene fungizide Wirkstoffe, die unabhängig vom Eintragsweg unter den Anwendungsbereich der VO (EG) Nr. 396/2005 fallen.

Neben der Anwendung als Fungizid ist ferner ein Eintrag durch Düngemittel (sog. Blattdünger), die Phosphonate (Salze der Phosphonsäure) enthalten, denkbar. Diese Anwendung ist jedoch durch die Einstufung der Phosphonate als Fungizide seit dem Erntejahr 2014 nicht mehr möglich. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Pflanzen Phosphonsäure speichern und erst im Laufe der Zeit abgeben, so dass auch Jahre später noch Befunde auf eine früher zulässige Blattdünung zurückgehen können.

 

Tabelle 8: Phosphonsäure und Fosetyl-Rückstände in Gemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrixgruppe Parametername
Anzahl positiver Befunde
Anteil positiver Befunde
Bereich (mg/kg)
Blattgemüse Phosphonsäure
38
 
0,065–29,7
Fosetyl, Summe (berechnet)
38
10,60 %
0,087–39,9
Exotisches Gemüse Phosphonsäure
1
 
8,6
Fosetyl, Summe (berechnet)
1
100 %
11,5
Fruchtgemüse Fosetyl
2
 
0,3–0,6
Phosphonsäure
40
 
0,094–20,4
Fosetyl, Summe (berechnet)
40
10,70 %
0,13–27,4
Sprossgemüse Phosphonsäure
13
 
0,25–41,9
Fosetyl, Summe (berechnet)
13
12,50 %
0,34–56,3
Wurzelgemüse Phosphonsäure
-
 
-
Fosetyl, Summe (berechnet)
-
-
-

 

Bromid

Bromid (Abbauprodukt des Begasungsmittels Methylbromid) ist z. T. in hohen Mengen in Gemüseproben anzutreffen. Bromid kann aber auch aus dem Boden stammen und damit natürlichen Ursprungs sein. Ferner gibt es Hinweise darauf, dass in meeresnahen Böden die natürlichen Gehalte an Bromid höher sein können. Dies gibt Italien häufig als Ursache für erhöhte Gehalte an. Aus diesem Grund wurden zur Auswertung nur Gehalte > 10 mg/kg aufgeführt, da man erst ab diesem Wert von einer Anwendung des Begasungsmittels Methylbromid ausgehen kann. Bromidgehalte > 10 mg/kg wurden in 2 Proben mit einem Gehalt bis zu 20,2 mg/kg (Aubergine) nachgewiesen. Höchstgehaltsüberschreitungen gab es keine.

 

Da der mittlere Pestizidgehalt sehr stark durch die hohen Gehalte beeinflusst wurde, erfolgte die Auswertung in Tabelle 1 auch ohne Bromid.

 

Methylbromid war, wegen seiner schnellen und effektiven Wirkung, lange Zeit ein weit verbreitetes Begasungsmittel. Jedoch ist Methylbromid sehr schädigend für die Ozonschicht. Deswegen schlossen 175 Länder 1987 einen internationalen Vertrag (The Montreal Protocol) ab, indem sie sich dazu verpflichteten, den Einsatz von Methylbromid als Begasungsmittel bis 2015 zu begrenzen und alternative Begasungsmittel einzusetzen. Seit 2015 ist der Einsatz von Methylbromid weltweit stark eingeschränkt. Somit ist mit einem rückläufigen Trend der Bromidgehalte in den nächsten Jahren zu rechnen.

 

Tabelle 9: Bromid-Rückstände > 10 mg/kg in Gemüse aus konventionellem Anbau (CVUAS 2023)
Matrix
Herkunftsland
Gehalt in der Probe (mg/kg)
Aubergine
Italien
20,2
Minze
Spanien
16,3

 

Nikotin

Immer wieder findet das CVUA Stuttgart Rückstände des in der EU nicht mehr zugelassenen Pestizidwirkstoffs Nikotin in Gemüse. Neben einer gezielten Anwendung von Nikotin als Pflanzenschutzmittel oder als Tabaksud als vermeintlich ökologisches Mittel können die Nikotingehalte auch aus natürlichen Gehalte der Pflanze selbst oder durch Kontamination mit Tabakstäuben oder Raucherhänden resultieren (siehe hierzu auch [1]). Insgesamt wurden im Berichtsjahr sechs auffällige Befunde über dem gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstgehalt festgestellt (Porree, Spinat 2x, Feldsalat, Rucola und Ingwer).

 

Bildernachweis

CVUA Stuttgart, Pestizidlabor

 

Quellen

[1] CVUAS, Nikotin in Lebensmitteln – was hat Rauchen damit zu tun?

 

Anlagen

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Artikel erstmals erschienen am 22.05.2024