Bier – Unsere 11 sind spitze!

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Anne Benkenstein

 

Fußball-EM-Spiele in geselliger Runde anzuschauen ist ohne Bier für viele undenkbar. Da verwundern die Schlagzeilen nicht, dass das Bier in den Fanmeilen knapp wird. Anlässlich der laufenden Fußball-Europameisterschaft haben wir 11 verschiedene Biere auf Pestizidrückstände untersucht.

 

Foto: verschiedene Bierflaschen.

 

Wir haben den Ergebnissen aus der Bieruntersuchung entgegengefiebert, da wir üblicherweise das verarbeitete Erzeugnis Bier nicht untersuchen. Denn in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 sind Höchstgehalte für Pestizidrückstände für die Ausgangsprodukte Hopfen und Gerste festgelegt [1].

 

Hopfen wird jährlich im Spätsommer zur Erntezeit auf Pestizidrückstände untersucht. Die Proben auf unserem Untersuchungstisch stammen überwiegend aus dem Bodenseekreis oder werden anlassbezogen in Brauereien gezogen. Im Jahr 2022 wurde in Baden-Württemberg von 124 Betrieben auf 1.500 Hektar Hopfen angebaut [2].

 

Die Ergebnisse unserer 11

Ob Dose oder Glasflasche, ob obergäriges Vollbier oder Schankbier – wir haben 11 verschiedene, ausschließlich konventionelle Biere untersucht. Ein irisches Ale war unter den deutschen Bieren.

 

Wir konnten in allen 11 Bieren Pestizidrückstände nachweisen, wie im konventionellen Landbau auch nicht anders zu erwarten ist. Durchschnittlich enthielt jedes Bier 4,5 Rückstände (3 bis max. 8). Bei dieser Auswertung wurden auch die Rückstände im Spurenbereich berücksichtigt, das bedeutet Gehalte unter 0,01 mg/kg sind inbegriffen. 76 % der Rückstände liegen unter 0,01 mg/kg. Schließt man die Rückstände unter 0,01 mg/kg aus der Auswertung aus, sind 4 von 11 Bieren „rückstandsfrei“.

 

Es wurden 12 verschiedene Pestizid-Wirkstoffe gefunden.

 

Woher kommen die Rückstände?

Die gefundenen Pestizidrückstände kommen über verschiedene Wege ins Bier. Zum einen ist Hopfen eine anspruchsvolle Pflanze, die nur in bestimmten Regionen angebaut werden kann (hier sind Klima und Boden ausschlaggebend) [3]. Zum anderen machen dem Hopfen vor allem Pilze (echter und falscher Mehltau) und Schädlinge zu schaffen (Milben, Blattläuse) [4].

 

Diagramm: Übersicht über die Eintragswege der Rückstände in Bier.

Diagramm 1: Übersicht über die Eintragswege der Rückstände in Bier

 

In der oben aufgeführten Graphik sind die Eintragswege der Rückstände ins Bier aufgeschlüsselt dargestellt. Am häufigsten wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen, welche für den Anbau von Hopfen (Mandipropamid, Fosetyl, Dimethomorph, Myclobutanil) oder den Anbau von Gerste (Dineoconazol, Mepiquat, Chlormequat) oder für beide Kulturen (Boscalid, Metrafenone, Azoxystrobin) eingesetzt werden können. Auch konnte Chlorat nachgewiesen werden, welches vermutlich über das verwendete Trinkwasser eingebracht wurde. Die in Spuren gefundene Substanz Trimethylsulfonium entsteht wahrscheinlich während des Produktionsprozesses (z. B. bei der Herstellung des Malzes).

 

Unser Fazit

Unsere 11 sind Top, denn wir haben keine Wirkstoffe über der Höchstmenge gefunden. Auch konnten wir kein Glyphosat oder die Abbauprodukte von Glyphosat nachweisen. Demnach besteht keine Gesundheitsgefahr aufgrund von Pestizidrückständen in Bier, einzig der Alkoholgehalt sollte bedacht werden ;-)

 

Bildernachweis

Foto: Anne Benkenstein

 

Quellen

[1] VO (EG) 396/2005: Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates (ABl. L 70/1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EU) 2024/451 vom 5. Februar 2024 (ABl. L 2024/451, 6.2.2024)

[2] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, (zuletzt aufgerufen am 26.6.2024)

[3] Bundesinformationszentrm für Landwirtschaft, (zuletzt aufgerufen am 26.6.2024)

[4] Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Jahresbericht 2013, Sonderkultur Hopfen

 

Artikel erstmals erschienen am 27.06.2024