WM – Gastgeberländer vs. Deutschland: Unentschieden bei Pestiziden in Bier
Dr. Florian Hägele
8,9 Millionen Liter Bier* – so viel wird schätzungsweise während einer Bundesliga-Saison in deutschen Stadien konsumiert. Diese beeindruckende Zahl verdeutlicht, wie eng Fußball und Bier für viele Fans miteinander verbunden sind. Die derzeit stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada haben wir zum Anlass genommen, die Pestizidbelastung von Bieren aus den Gastgeberländern mit der von deutschem Bier zu vergleichen. Das Ergebnis: Beide Seiten liegen gleichauf – die Untersuchung endet mit einem Unentschieden.
Das haben wir untersucht
Insgesamt wurden 20 Biere (Export- und Pilsbiere) auf Rückstände von mehr als 800 verschiedenen Pestiziden, Pestizidmetaboliten sowie weiteren Kontaminanten untersucht. Von den analysierten Bierproben stammten 11 aus Deutschland, 6 aus den USA, 2 aus Kanada und 1 aus Mexiko.
Das Ergebnis
Für Fußballfans und Nicht-Fußballfans gibt es gleichermaßen eine erfreuliche Nachricht: Unabhängig davon, ob die Biere aus Deutschland oder WM-Gastgeberländer stammen, konnten mit Ausnahme eines Stoffes in keiner der untersuchten Proben nennenswerte Pestizidrückstände nachgewiesen werden.
Lediglich Chlorat war in den untersuchten Bieren (fünf deutsche und vier US-amerikanische Biere) etwas häufiger nachweisbar. Die höchste gemessene Konzentration betrug 0,094 mg/L in einem US-amerikanischen Bier. Alles in Allem waren aber auch die Chloratgehalte sehr niedrig und betrugen im Durchschnitt lediglich 0,005 mg/L. Das nachgewiesene Chlorat ist dabei vermutlich nicht auf den Einsatz von Pestiziden im Gersten- oder Hopfenanbau zurückzuführen. Wahrscheinlicher ist, dass die Gehalte als Nebenprodukt der chlorbasierten Desinfektion von Brau- bzw. Trinkwasser entstanden sind.

Um das Bier auf Pestizide untersuchen zu können, muss zuerst die Kohlensäure im Ultraschallbad entfernt werden.
Für einige Verbraucherinnen und Verbraucher besonders relevant: Rückstände von Glyphosat konnten in keiner der untersuchten Bierproben nachgewiesen werden. Festzuhalten wäre bei dieser Thematik aber auch, dass selbst geringe Glyphosatgehalte im Vergleich zum Alkoholgehalt von Bier aus toxikologischer Sicht kaum ins Gewicht fallen würden .
Unentschieden nach Pestiziduntersuchung
In Sachen Pestiziden sind sowohl die deutschen Biere als auch die Biere aus den WM-Gastgeberländern völlig unauffällig. Einem verantwortungsvollen Verzehr des Bieres in den Fußball-Stadien steht somit nichts im Wege. Das Endergebnis nach Pestiziduntersuchung lautet daher Unentschieden.
Nur in einer Sache haben die deutschen Biere haushoch gewonnen: dem Geschmack ;-)
Fussnote
* Die Schätzung basiert auf einem Durchschnittsverzehr von etwa 0,75 L Bier pro Zuschauer. Lauter einer Stadion-Dokumentation werden im Signal-Iduna-Park (BVB Dortmund) bei jeder Partie zwischen 60.000 und 62.500 Liter Bier verzehrt . Bei einer Zuschauerzahl von 81.365 Zuschauern ergibt sich so ein Pro-Kopfverzehr von etwa 0,74–0,77 Liter Bier. Umgerechnet auf eine durchschnittliche Zuschauerzahl pro Spiel von grob 39.000 Zuschauern (Saison 2024/2025) und 306 Partien ergibt sich ein Verbrauch von etwa 8,9 Millionen Liter Bier pro Bundesliga-Saison (29.000 Liter Bier pro Spiel).
Quellen
Sky Sport: Borussia Dortmund gibt Einblicke – so viel Bier wird im Signal Iduna Park getrunken, zuletzt abgerufen am 30.06.2026.