Von Spanien bis Südafrika: Rückstände in Nektarinen im Vergleich
Leonie Moser, Dr. Anne Benkenstein
Die Nektarine ist aufgrund ihrer schönen roten Farbe und glatten Haut eine sehr beliebte Frucht. Aber wie sieht es mit Pflanzenschutzmittelrückständen aus?
Wie Aprikose, Kirsche und Pflaume ist die Nektarine eine Steinfrucht. Sie ist eine natürliche Mutation des Pfirsichs und zählt zur selben botanischen Art (Prunus persica). Ihre glatte Haut ist eine beliebte Eigenschaft, durch die sie sich deutlich vom Pfirsich mit seinem Flaum abgrenzt. Da es sich um ein rezessives genetisches Merkmal handelt, können Nektarinenbäume nicht durch Stecklinge vermehrt werden, sondern nur durch Veredelung auf einer Pfirsichunterlage .

Abbildung 1: Nektarinen
Nektarinenbäume sind wie Pfirsiche sensibel für Spätfröste und bevorzugen Wärme . Nektarinen sind fast das ganze Jahr im Supermarkt erhältlich, die Herkunft der verfügbaren Früchte hängt jedoch von der Jahreszeit ab. Früchte aus Europa sind üblicherweise ab Mai erhältlich, früher im Jahr verfügbare Früchte werden von der Südhalbkugel importiert.
Was wird untersucht?
Die Rückstandshöchstgehalte für Pestizide (gesetzlich erlaubte Obergrenzen für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln) werden auf Grundlage guter landwirtschaftlicher Praxis festgelegt. Dabei berücksichtigt man nicht nur die übliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, sondern orientiert sich auch an den niedrigsten technisch erreichbaren Rückstandsgehalten, um besonders empfindliche Personengruppen zu schützen . In Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 ist zudem festgelegt, für welchen Teil des Lebensmittels diese Rückstandshöchstgehalte gelten . Im Fall der Nektarinen gelten die Rückstandshöchstgehalte für das ganze Erzeugnis.
Untersuchungsergebnisse
Im Untersuchungszeitraum von 2025 bis 06/2026 wurden insgesamt 44 Proben von Nektarinen aus konventioneller Erzeugung untersucht. Die Proben stammten zu zwei Dritteln aus Europa (Spanien 21, Italien 8) und einem Drittel von der Südhalbkugel (Südafrika 12, Chile 3).
Bei den untersuchten Proben wurde lediglich bei einer Probe ein Rückstandsgehalt über dem gültigen Rückstandshöchstgehalt nachgewiesen. Dabei handelt es sich um das Insektizid Formetanat (Summe) in einer Probe aus Spanien im Jahr 2025 (siehe Tabelle 1).
| Herkunft |
Anzahl Proben
|
Mittlerer Rückstandsgehalt
|
Stoffe pro Probe
|
Anzahl Proben > HG |
|---|---|---|---|---|
| Südafrika |
12
|
1,4
|
7,3
|
- |
| Chile |
3
|
1,54
|
8,7
|
- |
| Spanien |
21
|
0,22
|
6,9
|
1 (Formetanat Summe) |
| Italien |
8
|
0,49
|
10,5
|
- |
| Gesamt |
44
|
0,68
|
7,8
|
1 |
Der mittlere Rückstandsgehalt aller untersuchten Proben lag bei 0,68 mg/kg Probe. Hier ist jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen den Proben von der Südhalbkugel und den Proben mit Herkunft EU zu sehen: Bei Proben von der Südhalbkugel liegt der mittlere Rückstandsgehalt mit 1,43 mg/kg Probe fast 5fach über dem der Proben aus der EU mit 0,29 mg/kg Nektarinen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Mittlere Rückstandsgehalte von Nektarinen von der Südhalbkugel und Europa im Vergleich
Dieser Unterschied ist hauptsächlich auf Rückstände des Wirkstoffs Fludioxonil zurückzuführen. Bei Fludioxonil handelt es sich um einen fungiziden Wirkstoff. Dieser ist in der Europäischen Union zur Anwendung zugelassen. Der in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 festgelegte Rückstandshöchstgehalt an Fludioxonil für Nektarinen beträgt 10 mg/kg. Dieser wird von allen untersuchten Proben eingehalten. Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Fludioxonil können im Anbau gegen Pilzkrankheiten eingesetzt werden, er wird aber auch nach der Ernte zur Vermeidung von Transport- und Lagerschäden durch Schimmelpilze eingesetzt. Die Anwendung erfolgt in einem Tauchbad.
Fludioxonil wurde in allen Proben aus Südafrika und Chile nachgewiesen, mit einem mittleren Gehalt in Höhe von 1,43 mg/kg (siehe Abbildung 2). In den Proben aus der EU konnte der Wirkstoff in 14 von 29 Proben in bestimmbaren Gehalten nachgewiesen werden, mit einem mittleren Gehalt in Höhe von 0,08 mg/kg Nektarinen. Dabei lagen 5 der 14 Befunde im Spurenbereich unter 0,01 mg/kg Nektarinen (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Rückstandsgehalte an Fludioxonil in den untersuchten Proben in mg/kg, n.n.: nicht nachweisbar (< Nachweisgrenze), n.b. nicht bestimmbar (< Bestimmungsgrenze).
Der Unterschied zwischen den Proben aus Südafrika und Chile und den Proben aus Spanien und Italien hinsichtlich des mittleren Fludioxonil Rückstandsgehalts zeigt sich sehr deutlich (siehe Abbildung 2 und 4). Während Proben aus Europa in der Regel niedrige oder keine Rückstandsgehalte an Fludioxonil enthalten, mit Ausnahme der einen Probe aus Spanien im Jahr 2025, ist der Wirkstoff in allen Proben aus Südafrika und Chile mit Gehalten zwischen 0,38 mg/kg und 1,90 mg/kg nachweisbar. Möglicherweise ergeben sich die höheren Gehalte an dem Fungizid Fludioxonil aus den langen Transportwegen der Früchte von der Südhalbkugel nach Europa und dem Einsatz von Fludioxonil als Nacherntebehandlungsmittel.

Abbildung 4: Gesamtrückstandsgehalte und Rückstandsgehalte an Fludioxonil im Vergleich
PFAS-Pestizide in Nektarinen
Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, welche C-CF3-Gruppen enthalten sind Vorläufersubstanzen für TFA (Trifluoressigsäure) und werden auch PFAS-Pestizide genannt. Wirkstoffe dieser Gruppe wurden auch in den untersuchten Nektarinen nachgewiesen, am häufigsten der Wirkstoff Fludioxonil. Dieser wurde in 29 der 44 (66 %) untersuchten Proben in bestimmbaren Gehalten nachgewiesen. Weitere nachgewiesene PFAS-Pestizide in den untersuchten Nektarinen sind Fluopyram, Trifloxystrobin und Fluxapyroxad. Das Abbauprodukt TFA wurde in 5 Proben bestimmt (11 %), dabei handelte es sich ausschließlich um europäische Proben. Es konnte in den untersuchten Nektarinen kein Zusammenhang zwischen den nachgewiesenen Gehalten an TFA und PFAS-Pestiziden festgestellt werden. Dies deckt sich mit früheren Auswertungen .
Nektarinen aus biologischem Anbau
Im Jahr 2025 wurden drei Proben Nektarinen aus ökologischem Anbau untersucht. In einer Probe wurde der Wirkstoff Spinosad nachgewiesen. Dabei handelt es sich um ein im ökologischen Landbau zugelassenes Insektizid, das aus Stoffwechselprodukten eines natürlich vorkommenden Bodenbakteriums gewonnen wird. Die beiden weiteren Proben waren frei von bestimmbaren Rückständen an Pflanzenschutzmitteln.
Fazit
Die Rückstandssituation bei den untersuchten Nektarinen war insgesamt unauffällig. 43 der 44 untersuchten Proben hielten die geltenden Rückstandshöchstgehalte ein. Auffällig waren jedoch die Unterschiede zwischen den Herkunftsregionen: Nektarinen aus Südafrika und Chile wiesen deutlich höhere Gesamtrückstandsgehalte auf als Proben aus Spanien und Italien. Ursache hierfür waren vor allem höhere Gehalte des Fungizids Fludioxonil, das unter anderem zur Vermeidung von Lager- und Transportschäden eingesetzt werden kann. Für Verbraucher zeigt sich damit: Wer saisonal einkauft und Nektarinen aus europäischem Anbau bevorzugt, erhält in der Regel Früchte mit niedrigeren Rückstandsgehalten.
Bildernachweis
Anne Benkenstein
Quellen
Bundeszentrum für Ernährung: Pfirsich und Nektarine, Was ist der Unterschied?, zuletzt aufgerufen am 04.08.2026
Informationen der bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zum Anbau von Pfirsichen und Nektarinen, zuletzt abgerufen am 04.08.2026
Breitgefächerte aktuelle Informationen zum Themenbereich Pestizide sind auf der Webseite der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit efsa zu finden, zuletzt aufgerufen am 04.08.2026
VO (EG) 396/2005: Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates (ABl. L 70/1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EU) 2025/158 vom 29. Januar 2025 (ABl. L, 2025/158, 29.01.2025)
Trifluoressigsäure – Bedenkliche Gehalte in unserem Obst und Gemüse?, Luzia Buchstab und Ellen Scherbaum, CVUA Stuttgart, zuletzt abgerufen am 04.08.2026