Pestizidrückstände auch in Fruchtsorbets? – wir haben nachgeschaut
Luzia Buchstab
Sorbets erfreuen sich gerade im Sommer bei Groß und Klein großer Beliebtheit – ob als erfrischendes Sommerdessert oder vermeintlich gesündere Alternative zu klassischem Milcheis. Fruchtsorbets zeichnen sich durch ihren erhöhten Fruchtanteil aus, doch dabei stellt sich für viele die Frage, ob durch die Früchte auch Pflanzenschutzmittelrückstände und Kontaminanten in das Sorbet gelangen können.
Abbildung 1: Mango-Sorbet.
Sorbet – Was ist das?
Nach den deutschen Leitsätzen für Speiseeis ist Sorbet eine Speiseeissorte, der während der Herstellung kein zusätzliches Fett wie z. B. durch Milchzugabe zugesetzt wird. Fruchtsorbet zeichnet sich durch einen Fruchtanteil von mindestes 25 % aus. Bei Zitrusfrüchten und anderen sauren Früchten genügen 15 %. Die geschmackgebende Frucht kann dabei in der Bezeichnung des Sorbets stehen z. B. Himbeer-Sorbet.
Warum sind Pestizidrückstände und Kontaminanten in Fruchtsorbets relevant?
Pestizide sind im Allgemeinen Gemische aus Stoffen, die Landwirte gezielt beim Anbau von Obst und Gemüse einsetzen, um Pflanzen oder pflanzliche Produkte vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Nach einer Behandlung bleiben oft Rückstände der eingesetzten Mittel auf oder in der Frucht zurück. Aufgrund des hohen Fruchtanteils von Sorbets können sich dementsprechend Pestizidrückstände aus den Ausgangsfrüchten auch im fertigen Sorbet wiederfinden.
Kontaminanten dagegen gelangen unbeabsichtigt in Lebensmittel. Sie können aufgrund einer Verunreinigung durch die Umwelt auf Früchte gelangen oder z. B. bei der Verarbeitung, Lagerung oder Verpackung entstehen und dadurch im fertigen Sorbet nachweisbar sein.
Um zu sehen, wie es tatsächlich um die Belastung von Fruchtsorbets mit Pestizidrückständen und Kontaminanten steht, haben wir am CVUA Stuttgart in der Sommersaison 2026 verschiedene Fruchtsorbets genauer unter die Lupe genommen.
Was haben wir untersucht?
Wir haben 13 verschiedene Fruchtsorbets auf Rückstände von über 800 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln und Kontaminanten untersucht. Die Sorbet-Proben wurden in lokalen Märkten oder Eisdielen in Baden-Württemberg erhoben. Sieben Sorbets (Mango (4×), Himbeere, Erdbeere, Zitrone) stammten aus ökologischem Anbau und sechs Sorbets (Mango, Himbeere, Zitrone, Holunder, Waldbeere, Mango-Maracuja) wurden konventionell erzeugt.
Untersuchungsergebnisse
In keiner der untersuchten Sorbet-Proben wurden Gehalte an Stoffen oberhalb der gesetzlich festgelegten Höchstgehalte oder in gesundheitlich bedenklicher Höhe nachgewiesen. Wie Abbildung 2 zeigt, konnte in 12 von 13 Sorbet-Proben Rückstände nachgewiesen werden, wobei die Anzahl der bestimmten Stoffe bei den meisten Proben bei eins lag. Eine Ausnahme stellte ein Waldbeer-Sorbet (Fruchtanteil: 50 %) dar, welches mit 14 verschiedenen Rückständen an Pestiziden und Kontaminanten auffällig war. In einem Mango-Maracuja-Sorbet (Fruchtanteil: k. A.) waren fünf unterschiedliche Stoffe nachweisbar. Ein klarer Zusammenhang zwischen der Anzahl der bestimmten Stoffe und dem Fruchtanteil lässt sich bei den 13 aktuell untersuchten Proben nicht erkennen. Dies könnte jedoch auch an der begrenzten Probenzahl liegen.

Abbildung 2: Anzahl an Rückständen von Pestiziden und Kontaminanten, die in einer Probe bestimmt wurden
In den untersuchten Bio-Proben wurden maximal drei Rückstände an Pestiziden und Kontaminanten je Probe bestimmt. Im Mittel wurden in Bio-Proben 1,6 Stoffe je Probe bestimmt, wohingegen in konventionellen Proben im Mittel pro Probe 4,2 Stoffe bestimmt werden konnten. Es zeichnet sich der Trend ab, dass Bio-Sorbets tendenziell weniger Rückstände an Pestiziden und Kontaminanten je Probe aufweisen als konventionell erzeugte Produkte. Der Gehalt an Pestizid-Rückständen, der im Mittel je Probe bestimmt werden konnte, liegt bei Bio-Proben mit 0,005 mg/kg etwas niedriger als bei konventionellen Proben mit 0,008 mg/kg. Da in der ökologischen Landwirtschaft die Anwendung chemisch synthetischer Pestizidwirkstoffe nicht zugelassen ist, weisen Bio-Produkte in der Regel keine oder nur kleine Spuren von Pestizidrückständen auf. Bei den Sorbet-Proben ist der Unterschied zwischen Bio und konventionell gering – insgesamt sind die Pestizidrückstandsgehalte jedoch bereits sehr niedrig. Werden Kontaminanten miteingerechnet, liegt der mittlere Gehalt sowohl bei Bio- als auch bei konventionellen Proben bei 0,02 mg/kg. Dies ist nachvollziehbar, da Kontaminanten unabhängig von der Anbaumethode unbeabsichtigt über die Umwelt oder während der Verarbeitung in die Produkte gelangen können.
Keine Höchstgehaltsüberschreitung
Von über 800 analysierten Stoffen je Probe konnten insgesamt 22 verschiedene Pestizide bzw. Kontaminanten bestimmt werden (Abbildung 3). Die übrigen Stoffe waren entweder nicht nachweisbar oder der Gehalt lag nur als kleine Spur unterhalb der Bestimmungsgrenze vor.

Abbildung 3: Bestimmungshäufigkeit der Pestizide (F = Fungizid, I = Insektizid, H = Herbizid) und Kontaminanten (= K, B = Biozid)
Am häufigsten wurden Rückstände an Chlorat (Pestizid/Kontaminante) und Carbendazim (Fungizid) bestimmt – jeweils in fünf Proben – gefolgt von Trifluoressigsäure (Kontaminante), die in jeweils vier Proben bestimmt wurde.
Chlorat kann zur Bekämpfung von Unkraut (Herbizid) und als Biozid eingesetzt werden. In der EU sind derartige Anwendungen seit einigen Jahren nicht mehr erlaubt. Trotzdem werden immer wieder Rückstände an Chlorat in Lebensmitteln – wie auch hier in Sorbets – gefunden. Hierfür liegt der Ursprung meist nicht in einer absichtlichen Verwendung als Herbizid, sondern an einer Kontamination während der Produktion und Verarbeitung. Chlorat entsteht als Nebenprodukt bei der Verwendung von chlorhaltigen Desinfektionsmitteln und kann durch desinfiziertes Wasser, welches an verschiedenen Stellen zum Einsatz kommen kann (z. B. Bewässerung der Früchte, Waschwasser) auf bzw. in die Früchte gelangen und sich am Ende auch im fertigen Produkt wiederfinden.
Carbendazim ist ein Fungizid, das zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten im Obst- und Gemüseanbau eingesetzt werden kann. Während Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff in der EU seit einigen Jahren verboten sind, wird es in anderen Ländern noch angewendet.
Trifluoressigsäure wird typischerweise nicht gezielt als Wirkstoff im Obst- und Gemüseanbau verwendet. Sie bildet sich beim Abbau fluorhaltiger Pflanzenschutzmittel und kann als Kontaminante über Boden und Wasser von der Pflanze aufgenommen werden und in die Früchte gelangen.
Wie werden gefundene Pestizidrückstände und Kontaminanten rechtlich bewertet?
Nach der Analyse einer Probe im Labor wird geprüft, ob die festgestellten Pestizidrückstände oder Kontaminanten die jeweiligen gesetzlichen Höchstgehalte einhalten. Für frisches Obst und Gemüse sind Rückstandshöchstgehalte für Pestizide in der EU-Verordnung (EG) Nr. 396/2005 und für Kontaminanten in der VO (EG) 2023/915 festgelegt. Für die meisten verarbeiteten Produkte, wie Sorbets, sind in beiden Verordnungen keine konkreten Höchstgehalte festgelegt. Stattdessen wird jeweils der Höchstgehalt der frischen Ware herangezogen. Dazu muss der gemessene Gehalt im Sorbet auf die verwendete frische Ware zurückgerechnet werden. Veränderungen der Rückstandsgehalte an Pestizide und Kontaminanten, die durch die Verarbeitung bewirkt werden, müssen dabei berücksichtigt werden.
Da für die Sorbet-Herstellung die Früchte meist nur püriert und erhitzt werden, verändert sich der Gehalt an Rückständen im Vergleich zur frischen Ware kaum. Entscheidend ist daher vor allem, wie hoch der Fruchtanteil im Sorbet ist und ob andere Zutaten enthalten sind, die ebenfalls Pflanzenschutzmittelrückstände oder Kontaminanten enthalten können. In Sorbets sind weitere typische Zutaten Wasser, Zucker, Säuerungs- und Verdickungsmittel sowie Stabilisatoren. Diese Zutaten beeinflussen den Pestizidgehalt kaum, können aber Kontaminanten enthalten. Ob das der Fall ist, muss je nach gefundenem Stoff einzeln geprüft und abgewogen werden. Enthält ein Sorbet z. B. 50 % sortenreines Fruchtpüree, ist der Pestizidgehalt in der frischen Frucht doppelt so hoch.
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Messwert im Sorbet z. B. bei 50 % FruchtanteilSchritt 1 von 3, führt zu:
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Rückrechnung auf frische FruchtSchritt 2 von 3, führt zu:
Messwert ×2 bei 50 % Frucht -
Vergleich mit Höchstgehalt für frische FruchtSchritt 3 von 3.
Auch unter Berücksichtigung der Veränderung des Rückstandsgehaltes durch die Verarbeitung halten alle untersuchten Sorbet-Proben (20–62 % Fruchtanteil, s. Abbildung 2) die entsprechenden Höchstgehalte ein.
Rückstandssituation: Fruchtsorbet vs. frische Früchte
Zur Einordnung der Ergebnisse können diese mit den Ergebnissen der Routineuntersuchungen von frischen Früchten verglichen werden. Hierfür wurden die Daten aus dem Jahresbericht über Rückstände und Kontaminanten in Frischobst aus konventionellem Anbau 2024 und des Ökomonitoring-Berichts 2024 herangezogen. In konventionellem Frischobst wurden durchschnittlich 6,2 Stoffe pro Probe bestimmt und bei 5 % eine oder mehrere Höchstgehalte überschritten. Der mittlere Pestizidgehalt lag bei 0,55 mg/kg je Probe. In Frischobst aus ökologischem Anbau lag der mittlere Pflanzenschutzmittelrückstandsgehalt bei 0,006 mg/kg.
Bei einem Fruchtanteil von 50 % würde der mittlere Pestizidgehalt in konventionellen Sorbets 0,02 mg/kg und in Bio-Sorbets 0,01 mg/kg betragen. Konventionell erzeugte Sorbets weisen demnach einen deutlich geringeren mittleren Pestizidgehalt auf als frische Früchte, wohingegen der mittlere Pestizidgehalt bei Bio-Sorbets etwas höher als bei frischen Früchten ist. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Sorbet-Proben im Vergleich zu mehreren hundert Messwerten zu frischen Früchten, lassen sich aus diesen Unterschieden jedoch keine verlässlichen Rückschlüsse ziehen.
Im Jahresbericht 2024 sind Durchschnittsdaten für konventionelles Obst nach Frischobstarten aufgeschlüsselt, was einen Vergleich mit den jeweiligen konventionellen Sorbet-Proben ermöglicht.

Abbildung 4: Anzahl Rückstände je Probe – konventionelle Fruchtsorbet-Proben im Vergleich zur durchschnittlichen Anzahl an Rückständen in der jeweiligen Frischobstart aus konventionellem Anbau 2024
Es zeigt sich, dass in drei Fällen im Sorbet weniger Stoffe vorhanden sind als im entsprechenden Frischobst (Abbildung 4). Dies erscheint plausibel, denn während der Herstellung des Sorbets können Rückstände durch das Waschen, Schälen und Erhitzen der Früchte oder auch durch die Zugabe weiterer Zutaten verdünnt bzw. teilweise entfernt werden.
Auffällig ist ein Waldbeer-Sorbet (Fruchtanteil: 50 %), welches nahezu doppelt so viele Stoffe aufweist wie durchschnittlich in frischem Beerenobst gefunden wurden. Auch das Mango-Maracuja-Sorbet (Fruchtanteil: k. A.) liegt über dem Durchschnittswert für exotische Früchte. Als Ursache für die Ausreißer sind Unterschiede in der Rohware, im Herkunftsland oder in der Verarbeitung denkbar.
Insgesamt ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich bei den Sorbet-Proben um einzelne Stichproben handelt und diese nicht repräsentativ für die komplette Fruchtsorte sind.
Fazit
Die gute Nachricht: Wer sich am nächsten heißen Sommertag ein Fruchtsorbet gönnt, muss sich keine Sorgen wegen versteckter Pestizidrückstände oder Kontaminanten machen. Alle 13 untersuchten Sorbet-Proben halten die jeweiligen gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte sicher ein. Weder bei Bio- noch bei konventionellen Produkten haben wir Rückstandsgehalte in gesundheitlich bedenklichen Mengen gefunden.
Bio-Sorbets enthalten im Schnitt etwas weniger Rückstände als konventionelle – rückstandsfrei sind sie jedoch nicht. Im Vergleich zu frischem Obst haben konventionelle Sorbets niedrigere Pestizidgehalte, Bio-Sorbets etwas mehr. Bei der begrenzten Probenanzahl lässt sich daraus allerdings kein Trend ablesen.
Kurz gesagt: Was Pestizide und Kontaminanten betrifft, können Fruchtsorbets ohne schlechtes Gewissen genossen werden, allerdings sollte der hohe Zuckergehalt beachtet werden, bevor die dritte oder vierte Kugel Sorbet bestellt wird.
Quellenverzeichnis
- LS Speiseeis: Leitsätze für Speiseeis des Deutschen Lebensmittelbuches in der Neufassung vom 29. November 2016 (BAnz. AT 19.12.2016 B4, GMBl. Nr. 59 S. 1172 vom 22.12.2016), zuletzt geändert durch die Bekanntmachung vom 20. September 2024 (BAnz. AT 13.02.2026 B5, GMBl. Nr. 6–7 S. 141 vom 24.2.2026)
- I. Kaufmann-Horlacher et al.; Poster: Chlorate and Perchlorate Residues in Food of Plant Origin; veröffentlicht 2016 (zuletzt abgerufen am 02.09.2026)
- L. Buchstab, E. Scherbaum; Internetbeitrag: Trifluoressigsäure – Bedenkliche Gehalte in unserem Obst und Gemüse?; veröffentlicht am: 14.04.2025 (zuletzt abgerufen: 02.09.2026)
- VO (EG) 396/2005: Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Februar 2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates (ABl. L 70/1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EU) 2026/1546 vom 8. Juli 2026 (ABl. L, 2026/1546, 9.7.2026)
- VO (EU) 2023/915: Verordnung (EU) 2023/915 der Kommission vom 25. April 2023 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 (ABl. L 119/103), zuletzt geändert durch die Verordnung (EU) 2026/1890 vom 29. Juli 2026 (ABl. L, 2026/1890, 30.7.2026)
- K. Hacker, M. Wieland, E. Scherbaum; Internetbeitrag: Rückstände und Kontaminanten in Frischobst aus konventionellem Anbau 2024; veröffentlicht am 08.04.2025 (zuletzt abgerufen: 01.09.2026)
- Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Ökomonitoring Baden-Württemberg 2024 (zuletzt abgerufen: 03.09.2026)