Hartnäckige Keime auf Endoskopen und Infusionsbestecken als mögliche Infektionsquelle für Pferde

Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Dr. Reinhard Sting, Dr. Catharina Pölzelbauer (CVUA Stuttgart), Dr. Susanne Müller (Pferdegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg)

 

Neben klassischen bakteriellen Infektionserregern gibt es Bakterien, deren eigentlicher Lebensraum die Umwelt ist, die aber auch in der Lage sind, unter ungünstigen Bedingungen Mensch und Tier zu infizieren. Als wahre Generalisten überleben und vermehren sich solche Keime nicht nur in der Umwelt und im Umfeld von Mensch und Tier, sondern sind auch in der Lage, schwere, lebensbedrohliche Infektionen hervorzurufen. Das CVUA Stuttgart hat mehrere Fälle aufgedeckt, bei denen sich solche Keime auf medizinischen Geräten wie Endoskopen und Infusionsbestecken angesiedelt hatten.

 

Problemkeime

Bakterien, die im Umfeld von Mensch und Tier vorkommen und besondere Überlebensstrategien entwickelt haben, können zu Problemkeimen in der Human- und Veterinärmedizin werden. Solche Keime sind Bakterien der Gattungen Acinetobacter, Pseudomonas und Stenotrophomonas (vormals Pseudomonas). Diese Keime sind gramnegative Stäbchenbakterien, die sich durch folgende besondere Eigenschaften auszeichnen:

  • Überleben und weite Verbreitung in der Umwelt (Boden, Wasser, Abwasser) und im direkten Umfeld von Mensch und Tier.
  • Geringe Nährstoffansprüche und somit Vermehrung auch bei widrigen Umweltbedingungen.
  • BiIdung von sogenannten Biofilmen, die ein besseres Überleben und Haften an Oberflächen ermöglichen (Feuchtbereiche in Kliniken, medizinische Instrumente, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Wasserbehälter).
  • Natürliche Resistenzen gleichzeitig gegen mehrere Antibiotika (intrinsische Multiresistenzen), was die Behandlung von Infektionen sehr erschwert.
  • Aufwändige und schwierige Desinfektion bei Kontaminationen von medizinischen Instrumenten wie Endoskopen [1] und Kathetern.
  • Ursache von schweren, lebensbedrohlichen Infektionen insbesondere bei immungeschwächten und sehr jungen Menschen und Tieren. Die genannten Keime können Ursache für sogenannte nosokomiale Infektionen sein, also Infektionen, die in Zusammenhang mit stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahmen stehen.

 

Endoskop (Archivbild).

Endoskop (Archivbild)
Bildquelle: Dr. Susanne Müller, Pferdegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg

 

Infokasten

Problemkeime Acinetobacter, Pseudomonas und Stenotrophomonas

Acinetobacter, Pseudomonas und Stenotrophomonas sind gramnegative Bakterien, die in der Umwelt und der Umgebung von Mensch und Tier vorkommen, über eine hohe Umweltresistenz und Anpassungsfähigkeit verfügen, sogenannte Biofilme bilden und Antibiotikaresistenzen aufweisen.

Acinetobacter ist bekannt für seine Fähigkeit, auf verschiedenen Oberflächen zu überleben, während Pseudomonas für seine Anpassungsfähigkeit, geringen Nährstoffansprüchen sowie Resistenz gegen Antibiotika bekannt ist. Stenotrophomonas kommt vor allem in feuchten Umgebungen vor und ist ebenfalls für seine Resistenzen gegen Antibiotika bekannt. Die genannten Keime sind Ursache nosokomialer Infektionen (Infektionen, die in Zusammenhang mit stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahmen stehen). Während Acinetobacter verschiedene Infektionen, darunter Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen und Wundinfektionen verursacht, ist Pseudomonas vor allem bekannt für seine Rolle bei Infektionen im Krankenhaus, wie z. B. Lungenentzündungen bei Patienten an Beatmungsgeräten. Stenotrophomonas kann ebenfalls Ursache von Infektionen der Atemwege, Bakteriämie (Vorkommen von Bakterien im Blut) oder Katheter-bedingten Infektionen insbesondere bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem sein.

 

Kulturen von Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keimen von Pferden auf Schafblutagar.

Kulturen von Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keimen von Pferden auf Schafblutagar
Bildquelle: CVUA Stuttgart

 

Bakterielle Infektionen im Atemtrakt von Pferden

Wir stellen in diesem Beitrag die Ergebnisse der Untersuchungen von Proben dar, die aus dem Atemtrakt von Pferden entnommen und bakteriologisch-kulturell untersucht worden sind, hinsichtlich des Nachweises von Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophonas-Keimen.

 

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die im Zeitraum von 2014 bis Mitte März 2024 untersuchten Proben aus dem Atemtrakt von Pferden. Berücksichtigt wurden nur Proben, die keimarm mittels Endoskop (Trachealspülprobe (TBS) oder Broncho-alveoläre Lavage [BAL]) entnommen worden sind.

 

Bakterien
Trachealspülprobe (TBS) / Broncho-alveoläre Lavage (BAL)
Acinetobacter spp.
31 (6,3 %)
Pseudomonas spp.
davon Pseudomonas aeruginosa
44 (8,9 %)
19 (43,2 %)
Stenotrophomonas spp.
45 (9,1 %)
Proben gesamt
494 (100 %)

 

Auffallend ist der Nachweis von Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keimen im Atemtrakt (Trachea, Bronchien) mit vergleichbarer Häufigkeit.

 

Hauptsächlich nachgewiesen wurden die Bakterienarten Acinetobacter lwoffii, Pseudomonas aeruginosa und Stenotrophomonas maltophilia.

 

Endoskope und Infusionsbestecke als Infektionsquelle?

In einigen Fällen fiel der wiederholte Nachweis von Acinetobacter-, Stenotrophomonas- oder Pseudomonas-Keimen in Atemwegsproben (Trachealspülprobe / Bronchiallavage) auf, die mit Hilfe eines Endoskopes bei unterschiedlichen Pferden an unterschiedlichen Standorten entnommen worden waren. Daraufhin wurden Tupferproben, die von den verwendeten Endoskopen/Infusionsbesteck aus Rillen und Vertiefungen genommen wurden, bakteriologisch-kulturell untersucht.

 

Die Ergebnisse der Instrumentenuntersuchungen

  • 2014 : Nachweis von Stenotrophomas maltophilia von einem Endoskop (Kopf, Schaft, Kanal).
  • 2018: Nachweis von Pseudomonas putida und Pseudomonas aeruginosa von einem Endoskop und in einem Infusionskanister.
  • 2018: Nachweis von Pseudomonas aeruginosa von einem Infusionsbesteck.
  • 2021: Nachweis von Pseudomonas aeruginosa und Pseudomonas spp. von einem Endoskop.
  • 2023: Nachweis von Acinetobacter spp. und Stenotrophomas maltophilia von einem Endoskop.

 

Antibiogramme (Resistenzteste) zu Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keimen

Das Testen auf die Wirksamkeit von Antibiotika gegen Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keime ergab vor allem bei Stenotrophomonas- und Pseudomonas-Keimen bei einer Vielzahl von Antibiotika einen hohen Anteil an Resistenzen.

 

Ergebnisse der Untersuchungen von Acinetobacter-Isolaten in den Jahren 2022 und 2023 auf die Wirksamkeit von Antibiotika mit Hilfe von Antibiogrammen (Resistenzteste, Mikrodilutions- (MHK) Methode).

Ergebnisse der Untersuchungen von Pseudomonas-Isolaten in den Jahren 2022 und 2023 auf die Wirksamkeit von Antibiotika mit Hilfe von Antibiogrammen (Resistenzteste, Mikrodilutions- (MHK) Methode).

Ergebnisse der Untersuchungen von Stenotrophomonas-Isolaten in den Jahren 2022 und 2023 auf die Wirksamkeit von Antibiotika mit Hilfe von Antibiogrammen (Resistenzteste, Mikrodilutions- (MHK) Methode).

Ergebnisse der Untersuchungen von Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Isolaten in den Jahren 2022 und 2023 auf die Wirksamkeit von Antibiotika mit Hilfe von Antibiogrammen (Resistenzteste, Mikrodilutions- (MHK) Methode).
Quelle: CVUA Stuttgart

 

Schlussfolgerungen

  • Acinetobacter-, Pseudomonas- und Stenotrophomonas-Keime spielen gleichermaßen in der Human- wie auch der Tiermedizin eine nicht zu unterschätzende Rolle bei Infektionen, die mit medizinischen Instrumenten im Zusammenhang stehen.
  • Bei wiederholtem starkem Nachweis der genannten Keime in Proben, die aus dem Atemtrakt mit Hilfe medizinischer Instrumente entnommen worden sind, sollte eine Kontamination der Instrumente und /oder verwendeten Lösungen in Betracht gezogen werden und diese sowie die verwendeten Lösungen kulturell-bakteriologisch untersucht werden.
  • Einer gründlichen Reinigung und Desinfektion kommt bei medizinischen Instrumenten, die nicht mittels Hitze (Autoklavieren, Sterilisieren) desinfiziert werden können, große Bedeutung zu.
  • Es können Empfehlungen und Richtlinien der Humanmedizin zu Rate gezogen werden [2].

 

Quellen

[1] Endoskope trotz Desinfektion kontaminiert. Scinexx.de – das Wissensmagazin, 6. August 2015.

[2] Sektion „Reinigung, Desinfektion und Sterilisation” der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V.

 

Artikel erstmals erschienen am 03.07.2024