Die Aujeszkysche Krankheit bei Wildschweinen – ein Update
Sandra Wild
Tödliche Gefahr aus dem Dickicht: Hinter der Aujeszkyschen Krankheit steckt das Suid Herpesvirus 1 – ein Erreger, der beim Fressen von rohem Wildschweinefleisch auf Hunde und Katzen übertragen werden kann. Während das Virus im Schwarzwild oft unauffällig zirkuliert, führt die Infektion bei Fleischfressern innerhalb weniger Tage zu schweren neurologischen Symptomen und endet fast immer tödlich.

Abbildung 1: Wildschweine in den heimischen Wäldern
Nach wie vor kommt das Virus der Aujeszkyschen Krankheit bei Wildschweinen in Baden-Württemberg vor. Wir stellen die Ergebnisse aus acht Jahren Seroprävalenzmonitoring vor – sie lassen keine Entwarnung zu!
Seit 2015 untersucht das CVUA Stuttgart regelmäßig Wildschweineblutproben auf Antikörper gegen das Virus der Aujeszkyschen Krankheit. Unsere früheren Ergebnisse können Sie hier nachlesen: Die Aujeszkysche Krankheit in der Wildschweinpopulation Baden-Württembergs – eine unterschätzte Gefahr?
Denn während das Virus in der Hausschweinepopulation in Deutschland vor über 20 Jahren erfolgreich getilgt wurde, kommt es bei Wildschweinen immer noch vor. Für Hunde stellt die Infektion eine tödliche Gefahr dar. Sie erkranken innerhalb weniger Tage nach der Infektion, entwickeln tollwutähnliche Symptome und sterben. Den Artikel zu einem positiven Fall bei einem Jagdhund finden Sie hier.
Unsere Untersuchungen von 2018 bis 2025 zeigen, dass Antikörper gegen das Virus der Aujeszkyschen Krankheit hauptsächlich im Norden des Regierungsbezirkes Stuttgart vorkommen (Abb. 2): Aus den Landkreisen Heilbronn, Hohenlohe, Main-Tauber-Kreis und Schwäbisch Hall stammten 95,7 % aller positiven Proben. Insbesondere im Main-Tauber-Kreis fanden wir mit 588 positiven Wildschweinproben eine hohe Infektionsrate. Das entsprach 16,4 % der 3586 untersuchten Proben. Prozentual gesehen war auch der Hohenlohekreis mit 16,1 % (212) positiver Proben stark vertreten und lag damit fast gleichauf mit dem Main-Tauber-Kreis (Abb. 3). Im Landkreis Heilbronn waren knapp 7 % aller untersuchten Proben (79 absolut) positiv, während im Landkreis Schwäbisch Hall nur vereinzelt positive Wildschweinproben auffielen (11 Proben, unter 1 %).

Abbildung 2: Gesamtzahl der positiven Proben von 2018 bis 2025 in den nördlichen Landkreisen des Regierungsbezirks Stuttgart, Untersuchungen von 2018 bis 2025

Abbildung 3: Prozentverteilung der Proben mit negativem und positivem Aujeszkyvirus-Antikörpernachweis in den nördlichen Landkreisen des Regierungsbezirks Stuttgart, Untersuchungen von 2018 bis 2025
Zusammenfassend bleibt festzustellen: Das Virus der Aujeszkyschen Krankheit zirkuliert weiterhin in Baden-Württemberg. Daher sollten Schweinehalter nicht nur wegen der drohenden Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest auf strenge Biosicherheitsmaßnahmen achten. Auch Hundehalter sollten ihre Hunde von Wildschweinen fernhalten und ihnen kein rohes Wildschweinefleisch zu fressen geben.
Infokasten
Was ist die Aujeszkysche Krankheit?
Im Jahr 1902 beschrieb erstmals der ungarische Tierarzt Aladár Aujeszky die nach ihm benannte Krankheit. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich.
Der Erreger der Aujeszkyschen Krankheit ist das Suid Herpesvirus 1 (SHV-1), ein vom Schwein stammendes Herpesvirus. Schweine können erkranken, sterben aber nicht unbedingt an der Krankheit, sondern erholen sich oft wieder. Das Virus persistiert jedoch lebenslang im infizierten Schwein. Dadurch bleibt das betroffene Tier lebenslang Virusträger.
Wenn Hunde oder Katzen sich mit dem Virus infizieren, endet die Krankheit bei ihnen nahezu immer tödlich. Angesteckt werden sie in der Regel durch das Fressen von infiziertem Fleisch, z. B. wenn ein Jagdhund den Aufbruch eines erlegten, infizierten Wildschweins aufnimmt. Die Krankheitsanzeichen erinnern stark an Tollwut (daher auch die Bezeichnungen „Pseudowut“ oder englisch „Pseudorabies“): Ausgeprägte Unruhe und intensiver, quälender Juckreiz sind typisch. Der Tod tritt gewöhnlich innerhalb von ein bis drei Tagen nach Beginn der Symptome ein.
In der Hausschweinepopulation in Deutschland konnte das Virus getilgt werden, bei Wildschweinen kommt es aber immer wieder vor.
Um einen Überblick über die Verbreitung zu erhalten, werden in Baden-Württemberg Wildschweineproben, die im Rahmen des Schweinepestmonitorings genommen werden, auch auf Antikörper gegen das Virus der Aujeszkyschen Krankheit untersucht.

Abbildung 4: Suid Herpesvirus 1,
Viruspartikel unter dem Transmissions-Elektronenmikroskop, 200.000-fache Vergrößerung
Bildnachweis
Abbildung 1, 4: Dr. Valerij Akimkin