CVUA Stuttgart bleibt DVG-Konsiliarlabor für Corynebacterium pseudotuberculosis

Dr. Jörg Rau, Dr. Lisa-Schneider-Bühl

 

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart setzt seine erfolgreiche Aufgabe fort: Zum 1. Juli 2026 wurde die baden-württembergische Einrichtung von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) offiziell als Konsiliarlabor für Corynebacterium pseudotuberculosis (KL-CPS) wiederberufen. Damit bleibt das Labor in Fellbach für die kommenden vier Jahre der bundesweit zentrale Ansprechpartner der Veterinärmedizin bei der Bekämpfung der Pseudotuberkulose.

 

Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft ernennt für bestimmte Krankheitserreger Konsiliarlabore (KL), die über ein Ausschreibungsverfahren eine besondere Expertise und Reputation in der Diagnostik des jeweiligen Erregers nachweisen müssen. Für Corynebacterium pseudotuberculosis hatte seit 2018 Dr. Reinhard Sting vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart diese Aufgabe übernommen . Nach dessen Eintritt in den Ruhestand freuen wir uns das bewährte und eingespielte Konsiliarlabor ab dem 1. Juli 2026 mit Dr. Lisa Schneider-Bühl als neuer Leiterin fortführen zu dürfen. Auch die Stellvertretung erfährt einen Wechsel: Anstelle von Dr. Birgitta Polley unterstützt nun Dr. Jörg Rau das KL-CPS.

 

Die genannten Personen an der offenen Eingangspforte des CVUA Stuttgart, die Urkunde der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) zeigend.

Abb. 1: Das neue Leitungsteam des DVG Konsiliarlabors für Corynebacterium pseudotuberculosis am CVUA Stuttgart: Dr. Lisa-Schneider Bühl und Dr. Jörg Rau

 

Lisa Schneider-Bühl, neue Leiterin des KL-CPS:

„Ich freue mich über die Ernennung und das Vertrauen, das uns hiermit durch die DVG ausgedrückt wird. Es wird nicht leicht, die exzellente Arbeit meines Vorgängers Dr. Reinhard Sting am CVUA Stuttgart fortzuführen. Die Pseudotuberkulose bleibt eine hartnäckige Herausforderung für Schafe und Ziegen. Die zunehmenden Fälle bei Alpakas und Lamas zeigen, welcher Dynamik sich unsere Diagnostik stellen muss. Ich möchte den praxisnahen Dialog mit Tierärztinnen und Tierärzten und den Tiergesundheitsdiensten aufrechterhalten, um hier bei der Behandlung und Sanierung der wertvollen Tierbestände zu unterstützen.“

 

Hintergrund der Erkrankung und wirtschaftliche Relevanz

Corynebacterium pseudotuberculosis ist der berüchtigte Erreger der Pseudotuberkulose, einer chronisch verlaufenden Infektionskrankheit, die auch als Käsige Lymphadenitis (CLA) bekannt ist. Von der Pseudotuberkulose sind vor allem Schafe und Ziegen betroffen. In den letzten Jahren wurde die Krankheit jedoch auch bei den beliebten Alpakas und Lamas häufiger beobachtet . Gelegentlich erkranken auch andere Kamele und weitere Tierarten (s. Infokasten).

 

Die Infektion äußert sich bei den Tieren meist durch schmerzhafte Abszesse in oberflächlichen Lymphknoten oder inneren Organen und ist schwer behandelbar. Dies führt nicht nur zu erheblichem Tierleid, sondern auch zu massiven wirtschaftlichen Verlusten in der landwirtschaftlichen Tierhaltung, Milchproduktion und Zucht. Eine verlässliche veterinärmedizinische Diagnostik ist daher Voraussetzung für eine wirksame Bekämpfung.

 

Diagnostik und Forschung auf Spitzenniveau

Im CVUA Stuttgart wird das Konsiliarlabor vom eingespielten Expertenteam betrieben, das durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen und Bereiche ein großes Angebot an Untersuchungsverfahren realisiert. In der Serologie bieten wir eine zuverlässige und empfindliche Antikörper-Abklärung mittels spezifischer, auch selbstentwickelter ELISA-Verfahren (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) und der Immunoblot-Technik.

 

Zwei Personen im weißen Laborkittel halten einen Probenträger vor dem sich in der Sterilbank befindenden Analyseroboter.

Abb. 2: Eine Labormitarbeiterin und ein Labormitarbeiter des Konsiliarlabor für Corynebacterium pseudotuberculosis bei der serologischen Untersuchung von Proben

 

In der Molekularbiologie ist der genomische Erregernachweis mittels qPCR, Teilsequenzierung einzelner Gene und die Vollgenomsequenzierung (WGS) zur Charakterisierung, Typisierung und Genotypisierung von Bakterienisolaten etabliert . Der Bereich der Erregeridentifizierung bietet zudem zur exakten Differenzierung von C. pseudotuberculosis im Umfeld nah verwandter Bakterien spezielle kulturelle Verfahren, die MALDI-TOF MS (Matrix-assisted Laser Desorption/-Ionization time-of-flight Massenspektrometrie) und die FT-IR (Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie) . Hier unterstützen wir andere Labore durch den Austausch von Referenzspektren über die kostenfreie MALDI-User-Platform „MALDI-UP“ .

 

Dr. Jörg Rau, neuer Stellvertreter:

„Ich freue mich auf die für mich neue Aufgabe. Als staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker bringe ich eine deutlich andere Expertise in unser kleines Team. Ich werde insbesondere bei den in der Routinediagnostik immer wichtiger werdenden spektroskopischen Verfahren und bei der Pflege unserer umfangreichen CVUAS-Isolate-Sammlung unterstützen können.“

 

Wichtiger Partner für Praxis und Wissenschaft – auch in Zukunft

Die Pseudotuberkulose ist in Deutschland nach der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldVO) nicht meldepflichtig. Daher gibt es auch kein Nationales Referenzlabor, das die Diagnostik der Pseudotuberkulose überwacht. Hier schließt das CVUA Stuttgart als von der DVG benanntes Konsiliarlabor die Lücke in der unabhängigen Qualitätssicherung der Diagnostik . Wir bleiben weiterhin Ansprechpartner für diesen speziellen Erreger und bieten unter anderem regelmäßige serologische und bakteriologische Laborvergleichsuntersuchungen zur Qualitätskontrolle für andere veterinärmedizinische Laboratorien an. Hierdurch wird ein bundesweit einheitlicher Teststandard gefördert. Das CVUA Stuttgart unterhält zudem eine umfassende Sammlung von Bakterienisolaten, die als wertvolle biologische Ressource für die internationale Forschung, die Qualitätssicherung oder die Weiterentwicklung der Diagnostik dient. Zu den Aufgaben des Konsiliarlabor gehört auch die Beratung zu Fragen rund um die Diagnostik der Pseudotuberkulose von Tierärztinnen, Tierärzte sowie Züchterinnen, Züchter, Tierhalterinnen und Tierhalter. Wie bisher bleibt die gute Zusammenarbeit mit unseren bewährten Partnern relevant. Dazu gehören das Konsiliarlabor für Diphtherie am bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim und das aktive Netzwerk der anderer Untersuchungseinrichtungen der Länder.

 

Dr. Reinhard Sting (Leiter des KL-CPS von 2018 bis 2025):

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, unsere über die Jahre aufgebaute Kompetenz weiterführen zu können. Dies bedurfte – auch wegen des strengen Bewerbungsverfahrens der DVG – entsprechende wissenschaftliche Arbeiten. Das KL wird hierbei sicher mit der Zeit gehen und seine Ausrichtung an die Erfordernisse anpassen.“

 

Mit der neuen Berufungsperiode können wir vom CVUA Stuttgart unseren nicht selbstverständlichen Weg fortsetzen. Als derzeit einzige Untersuchungseinrichtung aus den Bundesländern, übernehmen wir die Aufgabe als veterinärmedizinisches Konsiliarlabor der DVG. Das CVUA Stuttgart ist dabei von der DAkkS akkreditiert.

 

Bei Fragen rund um die Diagnostik können Sie uns gerne direkt telefonisch oder per E-Mail kontaktieren!

 

Infokasten

Erreger

Corynebacterium pseudotuberculosis wird mit seinen taxonomisch nah verwandten Arten dem Corynebacterium-diphtheriae-Spezies-Komplex (CdSC) zugeordnet. Dieser Komplex ist nach dem Erreger der Diphtherie des Menschen, C. diphtheriae benannt und enthält noch weitere bei Menschen und Tieren vorkommende pathogene Arten (C. belfanti, C. ulcerans, C. rouxii, C. silvaticum, C. ramonii). C. pseudotuberculosis infiziert vor allem Pflanzenfresser, insbesondere Schafe, Ziege und Kameliden (u. a. Alpakas). Infektionen sind über direkten Kontakt mit erregerausscheidenden Tieren oder indirekt über kontaminierte Oberflächen möglich. Infektionen führen zu schweren Abszessen in Lymphknoten und inneren Organen. Auch Menschen können sich über Wunden durch Kontakt mit dem Erreger infizieren, was aber glücklicherweise nur selten beobachtet wird.

 

Quellen

Sting R, Polley B, Schneider-Bühl L, Rau J (2020) Konsiliarlabor für Corynebacterium pseudotuberculosis – Aufgaben und Herausforderungen. Deutsches Tierärzteblatt 68, 850–853.

 

Sting R, Geiger C, Rietschel W, Blazey B, Schwabe I, Rau J, Schneider-Bühl L (2022) Corynebacterium pseudotuberculosis Infections in Alpacas (Vicugna pacos). Animals 12, 1612.

 

Hiller E, Hörz V, Sting R (2024) Corynebacterium pseudotuberculosis: Whole genome sequencing reveals unforeseen and relevant genetic diversity in this pathogen. PLOS ONE 19, e0309282.

 

Rau J, Berger A, Dangel A, Dyk M, Eisenberg T, Hiller E, Hoffmann C, Kutzer P, Martel A, Sing A, Sting R (2026) Up-to-date MALDI-TOF MS-based identification of the Corynebacterium diphtheriae species complex for improved diagnostics. Journal of Clinical Microbiology 64, e01324-25.

 

MALDI-User-Platform „MALDI-UP“.

 

Tierseuchenmeldeverordnung vom 10. März 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 61.

 

Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft: Konsiliarlabore.

 

Artikel erstmals erschienen am 07.08.2026