Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Chlorat

Benjamin Dambacher

 

Was ist Chlorat?

Chlorat (ClO3−) ist das Salz der Chlorsäure (HClO3) und wirdunter anderem als Pflanzenvernichtungsmittel (Herbizid) oder als Desinfektionsmittel (Biozid) eingesetzt.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es für Chlorat und wie kommt es in unsere Lebensmittel?

Bei Chlorat handelt es sich um einen in der EU seit dem Jahr 2009 nicht mehr zugelassenen Pflanzenschutzmittelwirkstoff. Auch in Biozidprodukten darf Chlorat nicht mehr angewendet werden. Chlorat kann jedoch bei der Verwendung von chlorhaltigen Substanzen zur Reinigung oder Desinfektion als Nebenprodukt entstehen. Nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse gilt als wahrscheinlichster Eintragspfad der Kontakt von Lebensmitteln mit Wasser, das zuvor zu Desinfektionszwecken mit chlorhaltigen Biozidprodukten behandelt worden ist. Demnach können beispielsweise Prozesse wie das Glasieren von Tiefkühlware, das Verdünnen von Saftkonzentraten oder das Waschen von Kräutern und Salaten mit chlorathaltigem Wasser eine Ursache für das Auftreten von Chlorat in Lebensmittel sein [1,2].

Wie kommt Chlorat in unser Trinkwasser?

Wenn Trinkwasser mit Natrium- und Calciumhypochlorit sowie mit Chlordioxid desinfiziert wird, muss damit gerechnet werden, dass bei diesen Desinfektionsmitteln auch Chlorat als Kontaminante in das Trinkwasser gelangt. Nach der europäischen Norm DIN-EN 901 dürfen in einer Natriumhypochlorit-Lösungen Chloratkonzentrationen bis zu 5,4 % Natriumchlorat (bezogen auf die Chlorkonzentration) enthalten sein [3]. Auch die Trinkwasserverordnung lässt gemäß § 11 bis zu 0,07 mg/L Chlorat in desinfiziertem Trinkwasser zu. Bei einer nur zeitweisen Dosierung der genannten Desinfektionsmittel sind sogar 0,2 mg/L Chlorat zulässig. In Ausnahmefällen bzw. Notfällen werden darüber hinaus Höchstkonzentration von bis zu 0,7 mg/L toleriert.

Toxikologische Wirkung von Chlorat auf den Menschen

Chlorat kann sich negativ auf empfindliche Personengruppen wie Kinder, Schwangere oder Personen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen auswirken. Der unerwünschte gesundheitliche Effekt tritt dabei durch eine reversible Hemmung der Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse durch Chlorat ein. Neben Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion kann Chlorat auch Schädigungen der Erythrocyten (Methämoglobin-Bildung, Hämolyse) bewirken. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat zur möglichen Abschätzung der Exposition eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,003 mg/kg Körpergewicht bzw. für die akute Exposition eine ARfD von 0,036 mg/kg Körpergewicht festgelegt [4].

 

Untersuchungsergebnisse sind bereits durch Internetbeiträge auf der Seite des CVUA Freiburg veröffentlicht:

 

Rückstände von Chlorat und quartären Ammoniumverbindungen in Pangasiusfilet (2020)

Chloratrückstände in Pangasius im Fokus - ein Update (2021)

 

Literatur

[1] Der Eintrag von Chlorat in die Nahrungskette sollte reduziert werden, Aktualisierte Stellungnahme Nr. 007/2018 des BfR vom 15. Februar 2018; DOI 10.17590/20180216-094046

[2] Internetbeitrag „Chlorat in Lebensmitteln: Risiken für öffentliche Gesundheit“ der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vom 24.06.2015

[3] „Wie kommt Chlorat ins Trinkwasser?“ Newsletter Nr. 4, 17.08.2020 des Berufsverbandes der Hygieneinspektoren Baden-Württemberg e. V.; Seite 7

[4] Stellungnahme der EFSA "Risks for public health related to the presence of chlorate in food", EFSA Journal 2015; 13 (6):4135 [103 pp.]

 

Artikel erstmals erschienen am 23.03.2021 08:09:33

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