Baden-Württemberg

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB)

Sandra Schill, Marco Müller

 

Was sind Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) und wo kommen sie vor?

Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) sind chlororganische Verbindungen mit humantoxischer Wirkung, die nach wie vor ubiquitär in der Umwelt vorkommen. Aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaften und Persistenz reichern sie sich in der Umwelt, wie z. B. in Böden und Sedimenten von Gewässern, an.

 

Unter dem Begriff „Dioxine“ werden die beiden Stoffgruppen der polychlorierten Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und der polychlorierten Dibenzofurane (PCDF) zusammengefasst. Diese entstehen hauptsächlich bei der unvollständigen Verbrennung von Kohlenstoffverbindungen in Anwesenheit von Chlor wie beispielsweise bei der Müllverbrennung, Kleinstfeueranlagen oder Bränden sowie bei Trocknungsprozessen.

 

Bei den PCB wird zwischen dioxinähnlichen PCB (dl-PCB), die aufgrund ihrer Struktur dioxinähnliche Eigenschaften aufweisen und nicht dioxinähnlichen PCB (ndl-PCB) unterschieden.

 

Sechs ndl-PCB wurden als Indikator für den PCB-Eintrag in die Umwelt ausgewählt, da sie in Summe einen entscheidenden Anteil der Gesamtkonzentration der ndl-PCB ausmachen.

 

Im Gegensatz zu den Dioxinen, die nie industriell produziert wurden, wurden PCB bis Ende der 80er Jahre für technische Zwecke kommerziell hergestellt. Sie fanden unter anderem Verwendung als Weichmacher und Brandverzögerer in Lacken, Farben und Kunststoffen. Eingesetzt wurden sie z. B. auch in Hydraulikflüssigkeiten, Kühl-/Isoliermittel und Transformatoren. Obwohl die Produktion heute verboten ist, besteht weiterhin ein kontinuierlicher Eintrag in die Umwelt durch ungeeignete Entsorgung oder Leckagen geschlossener Systeme.

Wie gelangen Dioxine und PCB in Lebensmittel und Futtermittel und wie wirken sie?

Durch das weitverbreitete Vorkommen von Dioxinen und PCB in der Umwelt sowie die Bioakkumulation dieser Verbindungen, gelangen sie auch in Futter- und Lebensmittel, worüber sie letztlich vom Menschen aufgenommen werden. Der Haupteintrag erfolgt dabei überwiegend durch fetthaltige, tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milch/Milchprodukte. Dioxine und PCB sind fettlöslich und akkumulieren deshalb besonders im Fettgewebe und der Leber, weshalb vor allem bei langfristiger Aufnahme eine Belastung für den menschlichen Körper entsteht. Beide Verbindungsklassen können aufgrund ihrer chronisch-toxischen Eigenschaften zu Reproduktionsschäden, Entwicklungsstörungen, Leber- und Nierenschäden sowie einer Hemmung des Immunsystems führen und stehen damit im Sinne des Verbraucherschutzes seit Jahren im Fokus der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung.

Untersuchungsergebnisse zu Dioxinen und PCB in Lebensmitteln und Futtermitteln

Am CVUA Freiburg werden Dioxine und PCB zentral für Baden-Württemberg in Lebensmitteln und Futtermitteln untersucht. Die Probenzahl beläuft sich jährlich auf etwa 500-600 Lebensmittelproben und ca. 150 Futtermittelproben. Weitere Proben werden zum Beispiel im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP) oder in Amtshilfe des Messprogramms der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) analysiert. Als Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des United Nations Environment Programme (UNEP) fällt auch die studienbezogene Untersuchung von Humanmilchproben in den Verantwortungsbereich des CVUA Freiburg.

 

Das Untersuchungsspektrum der Lebensmittelproben umfasst vor allem tierische Lebensmittel wie Fleisch und Innereien verschiedener Tierarten sowie Fische, Hühnereier, Milch und Milchprodukte. An pflanzlichen Lebensmitteln werden überwiegend Öle, getrocknete Kräuter sowie stichprobenartig weitere Matrices wie beispielsweise Ölsaaten, Zucchini oder Avocados untersucht. Außerdem werden Säuglings- und Kleinkindernahrung untersucht.

 

Um die Kontamination von Lebensmitteln tierischen Ursprungs möglichst gering zu halten, werden auch die Gehalte an Dioxinen und PCB in Futtermitteln im Rahmen eines mehrjährigen Kontrollprogrammes bundesweit überwacht. Untersucht werden dafür Futtermittel pflanzlichen, tierischen sowie mineralischen Ursprungs.

 

Insgesamt hat das CVUA Freiburg in den letzten Jahren nur in wenigen Proben auffällige Gehalte an Dioxinen und PCB festgestellt. Bei den wenigen auffälligen Proben handelte es sich meist um Hühnereier oder Fleischproben von Rindern, Pferden, Wildschweinen, Damwild oder deren Innereien wie Leber. Dabei stellen sich insbesondere die Haltungs- bzw. Lebensbedingungen der Tiere und damit der Kontakt zu kontaminierten Böden häufig als Ursache für die Belastung dar.

 

Detaillierte Angaben zu den untersuchten Proben können Sie den entsprechenden Kapiteln in unseren Jahresberichten sowie den Internetbeiträgen auf der Seite des CVUA Freiburg entnehmen:

 

Dioxine und Polychlorierte Biphenyle (PCB) in Lebensmitteln und Futtermitteln - Untersuchungsergebnisse 2017 und 2018 (2019)

Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) in Lebensmitteln und Futtermitteln - Untersuchungsergebnisse 2019 (2020)

Dioxine und polychlorierte Biphenyle in Wildschweinen aus Baden-Württemberg - Untersuchungsergebnisse von Fleisch- und Leberproben aus den Jahren 2018-2020 (2020)

Wie sind Gehalte von Dioxinen und PCB in Lebensmitteln und Futtermitteln gesetzlich geregelt?

EU-weite und nationale Regelungen für Dioxine und PCB

Toxikologisch, analytisch und rechtlich relevant sind 17 Dioxin-Kongenere (PCDD/F-Kongenere) sowie 12 dioxinähnliche PCB. Zur rechtlichen Beurteilung wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprechend der relativen Toxizität der einzelnen Verbindungen im Verglich zum 2,3,7,8-TCDD (Seveso-Dioxin) verschiedene Toxizitätsäquivalenzfaktoren (WHO-TEQ) festgesetzt. Diese werden mit den Gehalten der Einzelkongenere multipliziert und zu beurteilungsrelevanten Summenwerten addiert.

 

Für Lebensmittel sind in Abschnitt 5 des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 Höchstgehalte für die Summe aus Dioxinen sowie die Summe aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB in pg WHO-TEQ festgesetzt. Des Weiteren wurde für die Summe der 6 Indikator-PCB ein Höchstgehalt festgelegt. Bei einer Überschreitung darf das entsprechende Lebensmittel gemäß Artikel 1 dieser Verordnung nicht in den Verkehr gebracht werden.

 

Neben den Höchstgehalten wurden in der EU-Empfehlung 2013/711/EU Auslösewerte festgesetzt, bei deren Überschreitung bereits die Ursache der Kontamination zu ermitteln ist.

 

Des Weiteren sind in der nationalen Kontaminantenverordnung Höchstgehalte für die einzelnen Kongenere der 6 Indikator-PCB in Fleisch verschiedener Wildtiere und Pferde festgesetzt, für welche bisher keine EU-weiten Höchstgehaltsregelungen getroffen wurden.

 

Die für Futtermittel geltenden Beurteilungsparameter sind identisch zu denen für Lebensmittel und sind in der Richtlinie 2002/32/EG für die unterschiedlichen Futtermittelgruppen festgesetzt. Die nationale Umsetzung dieser Richtlinie erfolgt in der Futtermittelverordnung. In Anlehnung an des aus dem Bereich der Lebensmittel bekannte Prinzip der frühzeitigen Erkennung von Kontaminationen, sind in der genannten Richtlinie Aktionsgrenzwerte festgesetzt, bei deren Überschreitung die EU-Empfehlung 2013/711/EU ebenfalls die Ursachenermittlung verlangt.

EFSA-Stellungnahme

Im November 2018 wurde von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Stellungnahme zur Neubewertung des Risikos für die menschliche Gesundheit durch mit Dioxinen/Furanen und dioxinähnlichen PCB belasteten Lebens- und Futtermitteln veröffentlicht [1]. Die Neubewertung ging mit einer Absenkung der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge (TWI; tolerable weekly intake) für die Summe aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (WHO-PCDD/F-PCB-TEQ) von 14 pg auf 2 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ/ kg Körpergewicht pro Woche einher.

 

Zum anderen kam die EFSA zu der Einschätzung, dass das PCB 126 möglicherweise eine niedrigere dioxinähnliche Wirkung hat, als bisher angenommen. Dieser Einschätzung wurde bei der Internationalen Dioxinkonferenz in Kyoto 2019 in einem wissenschaftlichen Beitrag widersprochen. Zur Klärung hat die EU Kommission die Weltgesundheitsorganisation (WHO) um eine Re-evaluierung der Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF) gebeten, was 2020 erfolgen sollte, derzeit aber noch aussteht. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Anpassung der Höchstgehalte.

 

Literatur

[1] Risk for animal and human health related to the presence of dioxins and dioxin-like PCBs in feed and food, EFSA Journal 2018;16(11):5333.

 

Artikel erstmals erschienen am 23.03.2021 08:20:15

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